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Die Stanglwirtbuam von Georg Anker

"Fünf Jahre war ich alt, als ich zum ersten Male öffentlich als Sänger auftrat"

Mein Vater, Gemischtwarenhändler und Kracherlerzeuger (das war die damalige korrekte Berufsbezeichnug) in Ebbs, nahm meinen Bruder und mich mit zu den Gasthäusern der näheren Umgebung, wenn die monatlichen Lieferung zum Kassieren fällig waren. Bei einer harmonischen Geschäftsabwicklung gehörte es damals noch zum guten Ton, eine anständige Zeche zu machen, was mein Vater hervorragend besorgte. Nach ein paar Viertel Rotwein kam dann unweigerlich seine Aufforderung an uns: "Buam, jetz singts oas für die Wiaschtsleit!" Gschamig versteckten wir uns hinter einer offenen Tür oder wir krochen unter den Tisch und gaben ein paar Gsangl zum Besten. Das war so eine Marotte von uns, dass wir uns beim Singen nicht zuschauen lassen wollten! Ganz entzückt waren alle, besonders wenn wir anstimmten "Mir san zwoa bsuffne Brüada!" Der stolze Vater belohnte uns anschließend mit Würstl und Kracherl, weniger erfreut waren wir von den nassen Busserln der Kellnerinnen, von denen uns damals noch fruchtbar grauste.

1962 trat ich als junger Lehrer meinen Dienst im Brixental an. Ich lernte Sänger kennen, neben vielen anderen war es vor allem die Fam. Knauer, die einen wunderbaren dreistimmigen Gesang pflegte. Ganz begeistert war ich von der musikalischen Führung der 3. Stimme und zum ersten Male fiel auch der Name „Stanglwirt“. „Dös is a Stanglwiatschtsliadei“ oder „dös habns beim Stangl gesunga“ hörte ich immer wieder. Später war es für mich von großem Vorteil, dass ich all die Lieder bereits kannte.
Bei einem meiner Ausflüge rund um den Kaiser kehrten mein Bruder Anton und ich eines Tages beim Stanglwirt ein. Um es kurz zu sagen: Wir kamen furchtbar ins „Blitzen“, was bei mir hieß, das die Gitarresaiten heiß liefen und ein Gsangl dem anderen folgte. Es war schon lange nach Mitternacht, als der Stangl Hauser und der Lanzer Toni bei der Tür hereinschauten, sie kamen gerade vom Feuerbrennen am Kaiser zurück. Ich erinnere mich noch genau an das erste Lied, das wir gemeinsam anstimmten, es war, etwas ungewöhnlich für diese Zeit, Hofers Abschied „Ach Himmel, es ist verspielt“. Überrascht vom guten Zusammenklang unserer Stimmen beschlossen wir, uns jetzt öfters beim Stangl zu treffen. Sonnwendnacht 1966, das war der Beginn einer Jahrzehnte lang anhaltenden musikalischen Sängerfreundschaft, seit dieser Zeit gibt es „die Stanglwirtsbuam“. Über 33 Sängerjahre beim Stanglwirt ließe sich ein eigenes Buch schreiben. Geprobt haben wir so gut wie gar nicht, mir ist es heute noch schleierhaft, wie wir unser Repertoire vergrößert haben. Bei Radio Tirol wurden viele unserer Lieder aufgenommen und werden heute noch gesendet. Die Aufnahmeleiter waren nicht immer entzückt von unseren Darbietungen, mussten sie doch oft augenzwinkernd zur Kenntnis nehmen, dass unsere Exaktheit beim Gesang und die Textkenntnisse bei neueren Liedern Wünsche offen ließen. Toni hatte vollkommen recht mit seiner Feststellung, die Rundfunkaufnahmen wären unsere besten proben gewesen. Dem Gesang verdanke ich zahlreiche Sängerreisen ins In- und Ausland. Höhepunkte waren Auftritte in der amerikanischen Botschaft in Wien, bei den königlichen Familien in Lech am Arlberg und die Teilnahme an einer Hochzeit der Präsidententochter in Mexiko.

Und doch, wenn ich zurückdenke, das Schönste für mich waren die zufälligen Treffen mit anderen Sängergruppen, mit Freunden und Gleichgesinnten, bei denen man spürte, wie sie dem Gesang zugetan waren und wenn alle zur Hochform aufliefen, die manchmal erst am frühen Morgen verebbte. Immer wieder waren wir positiv überrascht von der sog. Prominenz (die gehört beim Stangl halt einmal dazu), die mit Sachverständnis und auch erlebtem Gefühl die feinen Unterschiede zwischen Echtem und Volkstümlichem zu unterscheiden vermochte. Es ist noch gar nicht lange her, als die Frage auftauchte, ob wir uns schon noch „Stanglwirtsbuam“ nennen sollten. Ein Schüler meiner Hauptschule legte zu dieser Diskussion noch ein Schäuferl dazu, als er in einem Aufsatz schrieb: „Unser Direktor ist schon sehr alt, obwohl er ein Stanglwirtsbua ist.“ Wir jedenfalls beteiligten uns nicht an der Debatte, wir fühlen uns immer noch als Buam, und so bleibt es auch beim überlieferten Namen. Mitte der 90iger Jahre steckten wir alle etwas zurück. Toni mauserte sich zum erfolgreichen Gastronom, Hauser war beschäftigt mit seinen Hotelbauten und ich war immer häufiger verhindert durch meinen Beruf und die damit verbundenen Nebengeschäfte, die mich viel Zeit und Arbeit kosten. Doch inzwischen gehört auch die junge Generation des Stanglwirts zum festen musikalischen Bestand, sodass wir keine allzu große Lücke hinterlassen. Und was für ein Glück für Hauser, dass seine hochtalentierten Kinder in seine musikalischen Fußstapfen treten und nun als Stanglwirtsfamilie auch schon auftreten. Mittlerweile sind wir alle drei stolze Opas, und in unserer Besetzung singen wir nur mehr, wenn es uns Spaß macht. Wichtige Termine bleiben für uns die Sängertreffen und die Klöpflnacht, aber auch sonst treffen wir uns gelegentlich, wenn uns Hauser ruft.

Das 100. Sängertreffen bedeutet uns sehr viel, waren wir doch beinahe 60 mal dabei. Unvergessen das spontane Singen und Musizieren in den Stuben! Nette Freundschaft verband uns mit vielen Sängern und Musikanten aus dem ganzen Alpenraum, und mit Bestürzung nahmen wir zur Kenntnis, wenn sich eine Gruppe aufgelöst oder der Tod manch herrlichen Klang zerstört hat.

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