Ein neuer Abschnitt der Sängertreffen
Ein neuer Abschnitt der Sängertreffen begann, als im Frühjahr 1957 Sepp Landmann, damals noch Lehrer in Reith bei Brixlegg, als Ansager gewonnen wurde. Ursprünglich als Ansager geholt, wuchs er über diese Rolle sehr bald hinaus. Mit der Auswahl der Lieder der einzelnen Gruppen und deren Anordnung, mit der Herstellung von Kontakten zu neuen Gruppen wurde Sepp Landmann zum Gestalter der Sängertreffen. Mit ihm erhielt die Volksliedpflege neue Impulse. Mit viel Witz und Humor, aber auch mit harten Worten brandmarkte er die Schnulzen und die so genannten Heimatlieder als die größten Feinde des echten Volksliedes, verstand es aber andererseits, das Publikum für das unverfälschte Volkslied zu begeistern.
Was durch gelehrte Bücher, Vorträge oder Seminare nicht erreicht worden wäre, gelang Sepp Landmann infolge seiner Zielstrebigkeit, das Publikum zu befähigen, Echtes von Kitsch und Bodenständiges von Artfremden zu unterscheiden. Dabei hielt er sich stets an den Rat des großen bayrischen Volksliedforschers und Wiedererweckers des echten Volksliedes, des unvergessenen Kiem Pauli, der die Liedtexte stets daraufhin prüfte, ob sie in der Ausdrucksweise unseres Landvolkes gehalten sind. Wenn bis zur Mitte der sechziger Jahre herauf die Bayern beim Sängertreffen dominierten, so kommt das nicht von ungefähr, wird doch seit dem Kiem Pauli und dem Wastl Fanderl in Bayern das echte Volkslied von allen öffentlichen Einrichtungen, insbesondere dem Rundfunk, sehr gepflegt und gefördert. Und wenn im Laufe der Zeit auch bei unserem Rundfunk in der Auffassung über das Volkslied eine Änderung eingetreten ist, so hat zu dieser Entwicklung sicher auch das Stanglwirts-Sängertreffen beigetragen, denn so weit liegen die Jahre noch nicht zurück, als bei den Volksliedsendungen noch vom „ewigen Firn und Gletschereis“, vom „Alpenglühn“ und vom „blauen Bergsee“ gesungen wurde. Die Entwicklung hat also der Zielsetzung Sepp Landsmann rechtgegeben. So brachte auch Herbert Buzas in der „Tiroler Tageszeitung“ seinen Bericht über das 27. Sängertreffen unter der Überschrift „Sängertreffen ohne Schnulzen und Subventionen“ Ohne Schnulzen – das Verdienst gebührt Sepp Landmann. Die zweite Feststellung „ohne Subventionen“ soll freilich auch nicht unerwähnt bleiben. Wo im ganzen Alpenraum gibt es eine ähnliche Veranstaltung von rein privater Seite ohne jede Subventionen? Wo können sich Sänger und Musikanten so kameradschaftlich und gesellig treffen wie in den oberen Stuben und in der originell eingerichteten „Alm“ des Stanglwirts, wo nur die Devise gilt: „Trinkts! Eßts! Schafft senk was an!“ Wo gibt es diese Ungezwungenheit, wo eine Unzahl von Gruppen eingeladen wird und oft bis kurz vor Aufführungsbeginn noch niemand weiß, wer dann tatsächlich da sein wird? Für den Conferencier sicher eine schwierige Aufgabe! Und bei jedem Sängertreffen kommt bestimmt eine neue bisher noch nicht bekannte Gruppe, denn alle Gruppen, die einmal beim Sängertreffen waren, werben bei anderen weiter. Vielleicht ist es neben der Gastlichkeit des Hauses gerade diese Ungezwungenheit, die den Stanglwirt für die Gruppen so anziehend macht. So sind die von den Sängergruppen im Saal dargebotenen Lieder meist auch nur ein Bruchteil von dem, was oben im ersten Stock gesungen wird. „Aft is wida gschtiascht“, umschreibt Sepp Landmann diese schwer in Worte zu kleidende Atmosphäre, wenn das ganze Haus von Volkweisen widerhallt.
.jpg)
Stanglwirtin Anna Hauser
Zurück zur Übersicht

daheim@stanglwirt.com











