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Tiroler Trachten werden populär

Ursprünge der Tiroler Trachten

Literarische Zeugnisse und zahlreiche Bilderzyklen (u.a. von Joseph Anton Kapeller oder Johann Georg Schedler) trugen dazu bei, dass man im Ausland Tirol und damit die Tiroler als besonders ursprüngliches Volk ansah. Das (vermeintliche) Bewahren von alten Gewohnheiten und Bräuchen (u.a. Volkserzählung, Kleidungsverhalten, Wohnstil, u.a.) sah man "von außen" als ein Indiz dafür, wie naturverbunden und traditionell die Tiroler leben. Und dieses mythisierende Bild prägten nicht zuletzt auch die (vornehmlich) aus dem Zillertal stammenden Tänzer- und Sängergesellschaften, die als Entertainer durch Europa tourten.

Ihre musikalischen und tänzerischen Aufführungen bereicherten sie auf opulente Art und Weise durch farbenprächtige Trachten, die in ihrer Ausstattung nur wenig mit den regionalen Festtagsgewändern zu tun hatten. Es handelte sich bei diesen Gewändern vielmehr um bunte Phantasiekostüme, die mit regionalen Versatzstücken (etwa Lederhosen oder tiefen angesetzten Mieder) versehen waren. Ganz nebenbei gesagt, sind diese Sänger- und Tänzergesellschaften eigentlich auch die Vorläufer, wenn nicht gar Proponenten der vor allem im 20. Jahrhundert so zahlreich organisierten "Tiroler Abende". Aber wie sah es in Tirol mit dem Trachtentragen zur damaligen Zeit wirklich aus?

Niedergang der Tracht

Im 19. Jahrhundert kann man in vielen Gegenden wahrlich einen Niedergang im Tragen der Tracht sehen. Man orientierte sich vielmehr an neuen Moden und vernachlässigte etwa bei der Frauentracht die engen Miederoberteile zugunsten der weitaus bequemeren geknöpften Kleider. Die Männer trugen kaum mehr Lederhosen, sondern schlüpften in lange Stoffhosen.

Renaissance der Tracht

Erst Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts "besann" man sich wieder auf das Trachtentragen und die damit verbundene lokale Identität. Patriotische Heimatvereine, aber vor allem die große Gedenkfeier an Andreas Hofer (1909) trugen wesentlich dazu bei, dass man die lokalen Trachten aus den Truhen holte, neu schneiderte bzw. sogar neu designte. So erhielten die örtlichen Musik- bzw. Schützenkapellen erst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ihre regionalen Trachten. Vor dieser Zeit trugen die Musikkapellen vornehmlich bürgerliche Kleidung: schwarze, zumindest dunkle Anzüge mit Weste und langen Hosen. Der Bann schien gebrochen - das Tragen von Trachten mit lokalem Flair (also etwa spezielle Stoffe, Muster und anderer Zierrat) wurde wieder in. In den Zwischenkriegs- und Kriegszeiten hatte man andere Sorgen.

Trachtentragen neu interpretiert

Balthasar Hauser mit Freunden in der traditionellen tiroler Tracht
Balthasar Hauser mit Freunden in der traditionellen tiroler Tracht
Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich vor allem einzelne Schneiderinnen, die Landeslandwirtschaftskammer und regionale Verbände um die Trachten. Örtliche Nähkurse wurden organisiert und bei gesellschaftlichen Ereignissen trug und trägt man wieder diese regionalen Festtagsgewänder. Zu den eifrigsten Verfechtern einer - wenn man so will - lebendigen Trachtenkultur, zählt der Tiroler Landestrachtenverband. Mehr als 10.000 Mitglieder garantieren vornehmlich bei offiziellen Auftritten dafür, dass die regionale Trachtenkultur weiterhin gepflegt wird. Ansonsten beschränkt sich das "individuelle" Tragen der Tracht (eher im Tiroler Unterland) weitgehend auf Feste des Lebens- bzw. Jahreslaufes: Man sieht, es hat sich in dieser Beziehung über die Jahrhunderte kaum etwas verändert. Etwas anders verhält es sich bei den örtlichen Musikkapellen bzw. Schützenkompanien: Einheitliche Trachten (= Uniform) sind bei öffentlichen Auftritten zumeist verpflichtend. Und selbst neu ins Leben gerufene Kapellen bzw. Kompanien legen sich eine "lokale" Tracht zu.

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