Seite 117 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

großen Bühnen der deutschsprachigen Theater ist er mehr als nur zu
Hause. Die Rolle des Kaisers hat Böhm damals nicht nur im Film ab-
gelegt. Seit der Gründung von Menschen für Menschen lebt er auch
real mehrere Monate pro Jahr unter einfachsten Bedingungen in Äthi-
opien. Und ist er nicht vor Ort, um den Einsatz der Spenden persön-
lich zu prüfen, findet man ihn bei Medienterminen und Vorträgen, mit
denen er auf die Arbeit seiner Stiftung aufmerksam macht. Dass er seit
26
Jahren ehrenamtlich arbeitet, sich selbst kein Gehalt oder Honorar
zugesteht, scheint in dieser Geschichte kaum mehr überraschend, son-
dern vielmehr konsequent.
Konsequent, ein Wort, das auch Almaz Böhm gerecht wird. Die Äthi-
opierin tritt 1986 eine Stelle als Abteilungsleiterin und Viehzuchtex-
pertin bei Menschen für Menschen im Erer-Tal an und lernt sechs
Monate später den Gründer kennen und lieben. Heute ist sie Böhms
Frau, und ihr Engagement, Äthiopiens Weg in die Zukunft zu sichern,
steht dem seinem in nichts nach.
Hinter jedem erfolgreichen Mann …
steht eine starke Frau, heißt es häufig. In diesem Fall handelt es sich
aber nicht um die weitere Strapazierung des Sprichworts, sondern um
die Realität. Und die sieht bei Almaz Böhm so aus: Neben Vorträgen,
die sie in Europa hält, ist sie seit mehreren Jahren für die Planung,
Durchführung und das Monitoring der Menschen-für-Menschen-Arbeit
verantwortlich. Seit 1999 ist sie stellvertretende Vorsitzende des Ver-
eins in Österreich, seit 2008 geschäftsführender Vorstand. Ihre nun
noch größere Verantwortung und die damit einhergehende stärkere
Präsenz in der Öffentlichkeit soll nicht zuletzt das langfristige Überle-
ben der Organisation sichern. Dass auch Almaz wie Karlheinz mehre-
re Monate direkt vor Ort lebt, versteht sich dabei von selbst. Ebenso,
dass sie den von ihrem Mann entwickelten Ansatz der „integrierten
ländlichen Projekte“ mitträgt. Was damit gemeint ist? Nun, man setzt
auf das Engagement und den Arbeitseinsatz der Bevölkerung und ver-
zahnt gemeinsam mit ihr verschiedene Maßnahmen, um eine nachhal-
tige Entwicklung des Landes zu gewährleisten. Dazu gehört etwa,
Wasserstellen und Krankenstationen zu bauen sowie die land- und
viehwirtschaftliche Arbeit durch die Einführung neuer Methoden zu
verbessern, aber auch Aufklärungskampagnen für die Besserstellung
der Frauen zu initiieren und Schulen zu errichten. Womit wir bei einem
brandaktuellen Thema sind, das den Böhms gleichermaßen am Her-
zen liegt: das Bildungsprogramm ABC-2015.
Wer lernt, gewinnt Perspektiven
2008
erfolgte der Startschuss zu ABC-2015. Will heißen: Mehr als 60
Prozent der 19,5 Millionen Euro Investitionen der Hilfsorganisation
flossen in diesem Jahr in den Bereich Bildung. Mit anderen Worten
gesagt, wurden in den ersten beiden Jahren des Programms Schulen
gebaut, in denen 75.600 Kinder zum Lernen Platz finden. Alphabeti-
sierung ist dabei klarerweise ein Thema – können doch laut UNESCO-
Weltbildungsbericht nicht einmal 40 Prozent der erwachsenen Äthio-
pier lesen und ein ebensolcher Prozentsatz an Kindern hat keinen
Zugang zu Bildung. Almaz Böhms Ambitionen sind aber weitrei-
chender: „Wenn Menschen besser gebildet sind, verstehen sie die Zu-
sammenhänge besser“, sagt sie. „Deshalb sind sie offener für neue
Sichtweisen und wir können sie besser erreichen.“ Erreichen wollen
Karlheinz und Almaz insbesondere Mädchen. Besuchten die nämlich
erst einmal das Gymnasium, ließen sie sich nicht mehr einfach verhei-
raten. Damit gehe Selbstvertrauen einher, und das bringe die äthio-
pische Gesellschaft in ihrer Entwicklung voran. „Lesen und Schreiben
alleine genügt zwar nicht. Aber es ist der erste Schritt, auf dem alles
aufbaut“, ist Almaz Böhm sicher.
»
Besser gebildete Menschen
verstehen die Zusammenhänge
besser. Deshalb sind sie offener
für neue Sichtweisen und wir
können sie besser erreichen.«
Die Kaiserquelle spendet auch in Äthiopien Leben: 10 % des Ertrags spendet
Balthasar Hauser (l.) an „Menschen für Menschen“ von Karlheinz Böhm.
Wo Tirol und Äthiopien sich berühren
An dieser Stelle kommt Tirol ins Spiel, genauer gesagt die Familie
Hauser, die den Böhms seit Jahren nahesteht. Man ist einander ver-
bunden und pflegt eine persönliche Freundschaft. Davon zeugen nicht
nur viele Besuche und gemeinsame Bergtouren auf die Stanglalm am
Wilden Kaiser, sondern auch eine Früchte tragende, langjährige
Zusammenarbeit im Sinne der Sache. So gehen beispielsweise pro
1,5
Liter Kaiserwasser 10 Cent an die Organisation Menschen für
Stanglwirt
Karlheinz Böhm
117
Das Magazin zum Jubiläum
400
Jahre