Seite 126 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

Das Ordnungs-Prinzip: Die Hausdame
beim Stanglwirt versucht ihren jungen
Mitarbeitern Sinn für Schönheit und
Perfektion eines Hotels zu vermitteln.
K
aroline Sereiner ist der gute Geist des Bio-Hotels Stanglwirt.
Als Hausdame zeichnet sie verantwortlich dafür, dass sich der
Gast in seinem Zimmer rundherum wohl fühlt. Dass auf den
Betten das Lieblingskissen und die Decke in der gewünschten Dicke
frisch bezogen auf müde Häupter warten, der Vorhang perfekt dra-
piert ist, die Sessel an den Tischen im genau richtigen Winkel zum
Verweilen einladen und kein auch noch so kleines Stäubchen das Ge-
samterlebnis im Stanglwirt trübt. Wer sie auf ihrem Rundgang durchs
Hotel begleitet, ist immer wieder aufs neue verblüfft. Selbst dort, wo
dem ungeübten Beobachter auch nach längerer Betrachtung nichts
Störendes auffällt, entdeckt Frau Sereiner Verbesserungspotenzial.
Auf die Details kommt es an“, sagt sie. Deshalb überprüft sie seit
sechs Jahren auch jedes Zimmer persönlich.
Weite Wege, weiße Teppiche
Damals stieß sie nach einer rasanten Karriere in der Top-
Hotellerie zum Stanglwirt und ergänzt seither Balthasar
Hausers Philosophie vom optimalen Hotel durch per-
fekte Gästebetreuung. Auch wenn das nicht immer
leicht ist, vor allem nicht beim Stanglwirt. Die Holz-
böden, die Architektur, die Weitläufigkeit des Hauses
und die Liebe des Stanglwirt Balthasar Hauser zur Far-
be Weiß sind die natürlichen Feinde von jemandem, der
wie Frau Sereiner auf höchste Sauberkeit wert legt. „Ty-
pische Reinigungsmaschinen können bei uns kaum zum
Einsatz kommen, das geht wegen der Materialien und
der Architektur des Hauses nicht“, bedauert die gebür-
tige Steirerin. Also wird mit der Hand geschrubbt und
gebürstet, mit einer großen Reinigungsfirma wurde sogar
ein eigener Putzwagen für die Zimmermädchen entwi-
ckelt, exklusiv für das Biohotel Stanglwirt: „Wir wollen,
dass in jedem Zimmer frische und saubere Putztücher
verwendet werden. Und wenn das Zimmermädchen den
Müll gleich trennen kann, geht hinterher nichts schief.“
Mit herkömmlicher Gerätschaft für Hotels ging das nicht.
Ein eigenes Kapitel sind noch die naturweißen Teppiche.
Im Winter wechseln wir die manchmal alle zwei Stunden
aus und schicken sie zur Reinigung“. Sichtbare Abtritte auf einem
Teppich sind für Karoline Sereiner absolut unmöglich. Auch
wenn das ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht immer so
sehen. „Den jungen Leuten fehlt leider oft der Hausverstand. Sie
wollen zwar meine Anforderungen erfüllen, aber manchmal sehen
sie einfach nicht, wo es noch hapert.“ Es dauert oft Jahre, bis
Frau Sereiner den Blick geschult hat, bis auch auf den entlegens-
ten Zimmerstellen kein Staub mehr bei der Wischprobe auf dem
weißen Handschuh haften bleibt.
Dass die Gäste dafür höchstes Lob aussprechen, freut die Perfek-
tionistin. Schließlich habe sie nur selten Kontakt mit den Hotel-
gästen und arbeitet lieber im Hintergrund. „Aber wenn mir
Stammgäste sagen, sie kommen so gerne zu uns weil alles immer
so schön sauber und in Ordnung ist, dann sehe ich, dass meine
Arbeit Früchte trägt.“
Karoline
Sereiner
126
Stanglwirt
Das Magazin zum Jubiläum
Karoline Sereiner
400
Jahre
© Albin Niederstrasser, Paul Dahan