Seite 16 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

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Das Magazin zum Jubiläum
frisches Wasser. Nicht nur durch den sprudelnden Bach in der Nähe
den er für eine Mühle nützte –, sondern sogar aus einer eigenen
Quelle. Ein Privileg, das seine Kollegen in der trockenen Prama nicht
hatten. Sie mussten das kostbare Nass in Fässern auf den Berg brin-
gen, nach wenigen Tagen schmeckte es schal und abgestanden. Wid-
mer schöpfte sich einfach frisches. Ein idealer Standort also, um eine
Schenke, eine Taverne, einzurichten. Doch noch war es nicht soweit.
Erst eine Seuche, die 1564 aus dem Unterinntal kam und im Sommer
Kitzbühel erreichte, machte Widmer zum ersten Gastwirt am Platz des
heutigen Stanglwirts – und auch das nicht ganz freiwillig.
Es war die Kitzbüheler Obrigkeit, die Widmer ersuchte, sein Haus für
Gäste zu öffnen. Wein galt damals als Arznei, durch die Errichtung
einer Schenke sollten die Bergknappen gegen die grassierende Krank-
heit, die in Kitzbühel geschätzte 500 Menschen das Leben kostete,
immunisiert werden. Eine Aufgabe, die einem Himmelfahrtskomman-
do gleichkam. Die Krankheit, in Tirol als „Pest“ bezeichnet, verursach-
te Angst. Die Menschen gingen einander aus dem Weg, vermieden
den Kontakt. Zu schnell steckte man sich an, Heimittel gab es keines.
Widmer stimmte dennoch zu, ein Gasthaus zu eröffnen. „Wenn der
Herrgott will, werde ich überleben“, sagte er und fügte sich in sein
Schicksal. Die Geschichte des Stanglwirts hatte begonnen: Er ist damit
einer der ältesten durchgängig betriebenen Gasthöfe Europas.
Die erste Hofübergabe
Widmers Mut machte sich bezahlt. Drei Jahre nach der Eröffnung, im
Jahr 1567, bekam er die Schanklizenz für Wein erteilt: Neben der
Weinausschank durfte er kleine Happen reichen – etwa ein Stück
Käse, ein wenig Speck oder eine Scheibe Brot. Historiker vermuten,
dass sich der „Wirt auf der Prama“, so die offizielle Bezeichnung,
schnell großer Beliebtheit erfreute. Es liegt nahe, dass die Knappen
am Nachhauseweg von der schweren Arbeit in den Stollen und
Schächten noch bei Widmer einkehrten, ehe sie die Steigung zu ihren
Wohnhäusern am Hang in Angriff nahmen. 1584 (oder 1585) endete
das erste Kapitel der Geschichte des Stanglwirts: Wolfgang Widmer
verstirbt 21 Jahre nach der Gründung des Wirtshauses auf der Prama.
Das Anwesen ging auf Martin Schaumberger über, der eine Ziehtoch-
ter des bisherigen Wirts auf der Prama ehelichte.
Streit um die Lizenz
Martin Schaumberger baute den Gastbetrieb aus: 1588 einigte er sich
mit der Kitzbüheler Obrigkeit, dass er Hochzeitsmähler veranstalten
durfte – ein Teil jener „großen Gastungen“ zu Begräbnissen, Taufen,
Eheschließungen und Ähnlichem, die für die Wirte zu dieser Zeit ein
wichtiges, sogar ganz elementares Geschäft waren.
Dem weiteren Aufschwung schien nichts mehr im Wege zu stehen –
wäre da nicht der ewige Streit mit der Konkurrenz gewesen. Die Wirte
in St. Johann und Kitzbühel machten gegen den unliebsamen Mitbe-
werb in Going mobil, das Wirtshaus auf der Prama und der Dorfwirt in
Going waren ihnen ein Dorn im Auge. Immer wieder wurden Be-
schwerden eingebracht, man bezichtigte die beiden des Verstoßes ge-
gen Gesetze. Raimund Freiherr von Lamberg, der an der Wende zum
17.
Jahrhundert Mitinhaber der Herrschaft Kitzbühel war, geriet unter
Druck – und unterbreitete einen salomonischen Vorschlag: Schaum-
400
JahrePerit la
corer iriliquat. Em
iureet alit utpat.
Links Balthasar Schlechter II., sein Vater (Dritter v. r.) vor dem Gasthof.
SMS, die Initialen von Sebastian und Maria Schlechter am Portal.
Stanglwirt-Tradition: eine gemütliche Runde im Gastgarten.
Stanglwirt
Geschichte
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