Seite 17 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

berger, der sich vehement gegen die Anschuldigungen aus St. Johann
wehrte und auf die Abmachung aus dem Jahr 1588 pochte, dürfe
fürderhin Gastungen zu Totenmählern veranstalten, soferne die Be-
trauerten auch in Going begraben wurden; die Veranstaltungen waren
auf maximal zwei Tische zu je zehn bis zwölf Personen beschränkt. Am
2.
April 1609, vor 400 Jahren also, wurde dem Wirt auf der Prama
diese „Wirtsgerechtigkeit“ seitens der Regierung in Innsbruck offiziell
erteilt. Nutznießer dieser Lösung war auch der Dorfwirt. Er schloss
sich Schaumberger bei der Verteidigung seiner Interessen an und
nun wurde auch ihm diese eingeschränkte Wirtsgerechtigkeit erteilt.
Lamberg hoffte, das Wirte-Problem so ein für alle Mal aus der Welt
geschafft zu haben. Ein folgenschwerer Irrtum.
Eine Frage des Weins
Jetzt entbrannte nämlich in Going der Konkurrenzneid. Schaumber-
gers Wirtschaft funktionierte nicht nur durch die verkehrsgünstige
Lage hervorragend, auch sein Wein, den er direkt aus dem Etschtal
bezog, war beliebt. Der Dorfwirt aus Going hingegen setzte auf den für
Tiroler Gaumen ungewöhnlichen österreichischen Wein. Eine Fehl-
entscheidung, an der er aber stur festhielt. Die Folge: Seine Gastwirt-
schaft blieb trotz der exzellenten Position direkt neben der Kirche leer,
während der Wirt auf der Prama auch immer mehr Goinger Gäste
begrüßen konnte. Also suchte der Dorfwirt um eine Volllizenz an – und
erhielt sie auch tatsächlich gegen das Versprechen für sich und seine
Rechtsnachfolger, der Kirche in Going den Messwein kostenlos zur
Verfügung zu stellen. Eine Entscheidung übrigens, die so mancher
Pfarrer in Going bitterlich bereut hat.
Ende Oktober 1618 erteilte die Regierung auch dem Wirt auf der
Prama auf dessen Ansuchen hin diese „große Wirtsgerechtigkeit“, die
die Abhaltung aller Gastungen umschloss. Dieser Regierungsbefehl
wurde jedoch nicht umgesetzt. Schaumberger, ein Mann der Tat mit
Handschlagqualität, fragte auch nie nach, wie sein Ansuchen erledigt
wurde. Ein schwerer Fehler: Seine neuen Befugnisse wurden zwar im
Regierungs-Kopialbuch verzeichnet, allerdings wurde nie ein Privileg
ausgestellt. Wegen der unruhigen Zeitverhältnisse ging diese Lizenz
buchstäblich unter – der Grundstein für spätere Streitigkeiten.
Auch Schaumberger litt unter den Folgen des 30-jährigen Krieges.
Zudem neigten sich die goldenen Jahre des Bergbaus ab 1630 dem
Der Stanglwirt war auch bei Fuhrleuten
beliebt. Das Gebäude links ist möglicher-
weise, der ursprüngliche Gasthof aus
1609,
rechts der „Neubau“ aus 1722.
»
Am 2. April 1609 wurde dem
Wirt auf der Prama die Wirts-
gerechtigkeit erteilt. Vorerst war
sie auf die Durchführung von
Totenmählern beschränkt.«
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Das Magazin zum Jubiläum
Stanglwirt
Geschichte
400
Jahre