Seite 18 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

Ende zu. Schaumberger suchte Pächter für seine Gastwirtschaft, 1642
verkaufte er seinen Besitz an seinen Enkel Hans Stangl. Dieser wird
1643 „
Wirt auf der Prama“ und gibt dem Wirtshaus für alle Zeit seinen
Namen. Eine neue Ära beginnt – jene des Stanglwirts.
Der erste Stanglwirt
Jetzt rächte sich bitter, dass sich sein Vorgänger nicht um die Zustel-
lung der offiziellen Lizenz gekümmert hatte. Der Streit mit dem Dorf-
wirt in Going flammte wieder auf, Hans Stangl musste sich bis zu sei-
nem Tod im Jahre 1676 gegen Anfeindungen von seinem neidischen
Kollegen aus dem Dorf wehren, auch die Kitzbüheler neideten Stangl
sein Geschäft. Denn beliebt war sein Gasthaus weiterhin, der Stangl-
wirt war Treffpunkt für Knappen, Bauern, die zunehmende Heerschar
von Kleingewerbetreibenden – und für Fuhrwerke. Jetzt, an der Wen-
de zum 18. Jahrhundert, brachte der Merkantilismus den Handel zum
Blühen. Straßen wurden ausgebaut, Tonnen von Salz, Erz, Wein, Me-
tallen und andere große Lasten wurden verschickt. Christian Stangl,
der das Wirtshaus von seinem Vater Hans übernahm, wusste die neue
Zeit zu nutzen. Als die Landesherren die Gastwirte auf den Landstra-
ßen aufforderten, dem zunehmenden Fuhrwerkverkehr Unterschlupf
zu bieten, baute er neben dem Gasthof für die Fuhrwerke eine Wagen-
hütte. Endlich konnten die Fuhrleute auch beim Stanglwirt übernach-
ten. Die Anfeindungen aus Going und Kitzbühel nützten nichts: Die
Fuhrleute bestanden darauf, hier an der frischen Quelle, ehe die Stei-
gungen über den Röhrerbühel oder Richtung Ellmau anhoben, Station
zu machen, anstatt auf der in der Dunkelheit gefährlichen Landstraße
bis nach Going oder Kitzbühel weiterzuziehen. Endlich hatte der Stangl-
wirt gesiegt: Mehr als hundert Jahre nach der Gründung war das
Wirtshaus auf der Prama mit allen notwendigen Lizenzen ausgestattet.
Offiziell und unwiderruflich.
Die Schlechter-Dynastie
1714
begann für den Wirt auf der Prama eine goldene Ära. Sebastian
Schlechter erwarb das Anwesen – ein genialer Geschäftsmann, der es
zu ansehnlichem Reichtum brachte. Allerdings nicht mit der Gastwirt-
schaft, sondern mit dem Handel mit Salz und anderen Gütern. Dem
neuen Besitzer sah man den Reichtum an: Ab 1720 baute er neben
dem Gasthof das „Stangl-Hochhaus“, ein dreistöckiges Gebäude –
eben jenes Haus, das heute noch den Gasthof beim Stanglwirt beher-
bergt. Sein Sohn Sebastian II. erwies sich als ebenso geschickt. Er
baute das Haus weiter aus, ließ es 1753 mit einem marmornen Ein-
gang veredeln – und verewigte sich mit den Buchstaben SMS über der
Der Stanglwirt Mitte des vorigen Jahrhunderts: Der Gasthof floriert, die musikalischen Wirtsleute ziehen auch immer mehr prominente Gäste aus aller Welt an.
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Stanglwirt
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