Seite 20 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

Die Zeiten waren nicht die Besten. Die 1875 fertiggestellte Eisenbahn-
verbindung durch das Brixental brachte dem Stanglwirt erhebliche
wirtschaftliche Einbußen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte
der Stanglhof einen wirtschaftlichen Tiefpunkt. Mehrere Felder und
auch die Stanglalm auf dem Kitzbüheler Horn mussten verkauft wer-
den. Gerade deshalb erwies sich Balthasars Wahl seiner Frau als ein
Glücksfall. Die junge Stanglwirtin Marie sorgte mit ihrem Geschäfts-
sinn dafür, dass sich der Stanglwirt trotz der allgemeinen wirtschaft-
lichen Flaute zu einer beliebten und gut gehenden Einkehrstätte ent-
wickelte. Marie war schon früh dem Fremdenverkehr gegenüber
aufgeschlossen und versäumte es auch nicht, eine „Weltpostkarte“ mit
der Ansicht des Wirtshauses drucken zu lassen – und das alles schon in
den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts.
Das Ende des letzten Schlechter
So erfolgreich sich Maria Schlechter im Geschäftsleben erwies, so we-
nig glücklich gestaltete sich ihr Privatleben. Das Zusammenleben mit
ihrem Mann Balthasar Schlechter war nicht einfach. Er hatte echten
Spaß daran, die „Fremden“ auf den Arm zu nehmen und ihnen zu
zeigen, was einen echten Tiroler ausmachte. Umso mehr nahm sich
seine Frau Marie der „herrischen“ und noblen Gäste an. Irgendwann
war es aber zu viel für die junge Stangl-Marie: Sie verließ ihren Mann
und kehrte erst zurück, als er einwilligte, dass sie Mitbesitzerin beim
Stangl wurde.
Im Jahre 1912 starb Balthasar Schlechter im Alter von 62 Jahren,
Maria Schlechter führte als Witwe allein das Bauerngasthaus weiter.
Sie galt nicht nur als eine tüchtige Gastronomin, sondern auch als eine
treffliche Bäuerin, die eine außerordentlich glückliche Hand im Vieh-
und Holzhandel bewies. Maria Schlechter gestaltete den „Stangl“ zu
einer gutbürgerlichen Herberge. Bereits 1927 gab es einen Fremden-
verkehrsprospekt vom Stanglwirt, in dem unter anderem auf das für
die Gäste erbaute öffentliche Freischwimmbad hingewiesen wurde,
das bis heute, modernisiert und technisch auf dem neuesten Stand,
betrieben wird.
Verheerende Brandkatastrophe
Das Jahr 1930 hätte für das Stanglwirtshaus schlimm ausgehen kön-
nen, und nur der Umstand, dass bei der Errichtung des Hauses 1722 in
weiser Voraussicht auch ein Feuerteich vor dem Gasthof angelegt wor-
den war, verhinderte eine größere Katastrophe. Am 7. Juli 1930 um
die Mittagszeit brach im Nebengebäude ein Brand aus, dessen Flam-
men schon im Begriff waren, auf das Haupthaus überzugreifen. Eine
Das Schwimmbad beim Stanglwirt war schon bei der Eröffnung eine Sensation. Es existiert – mittlerweile den modernen Standards angepasst – noch heute.
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