Seite 33 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

der Festung in Kufstein hatten damals regen Zulauf und auch im be-
nachbarten Bayern und in Salzburg gab es musikalische Wettkämpfe.
Die Stanglwirtin lag zu Beginn ganz auf derselben Linie. Anna Hauser
hatte bereits Geschenkskörbe mit Schildern für die drei erstgereihten
Gruppen hergerichtet, aber Lois wehrte sich vehement gegen diese
Art der Durchführung. „Wenn's a Preissinga gib, dann sing i net!“ Mit
dieser Drohung hatte sich Lois durchgesetzt und meinte dann noch zu
Anna: „Stell dir vor, wir würden den ersten Preis gewinnen!“
Beim ersten Treffen 1949 übernahm Alois Käferböck das Ansagen.
Aus dem Zillertal war das „Mayrhofner Trio“ mit Albin Moroder, Friedl
Pramstrahler und Max Egger gekommen, der „Saalfeldner Dreigsang“
mit Mitzi Herzog, Mali Fischbacher und Cilli Häusler reiste aus dem
nahen Pinzgau an, aus Kitzbühel kam Toni Praxmair mit einer kleinen
Gruppe seiner Nationalsänger, die vierte Gruppe war das Stanglwirt-
Trio selbst.
Ein kleines Geschenk
Nachdem das erste Sängertreffen für die veranstaltenden Wirtsleute
ein so großer Erfolg war und überall ein gutes Echo gefunden hatte,
erging die Einladung zum Singen ab jetzt zweimal im Jahr, jeweils im
Frühling und im Herbst. Bewährt hat sich, vor allem auf die Verleihung
von Preisen zu verzichten. Fahrtspesen wurden nur denen ausbezahlt,
deren Anreise mit hohen Kosten verbunden war. Die Teilnehmer er-
hielten zudem ein kleines originelles Geschenk, womit sie daheim voll
Stolz beweisen konnten: „Ich war auch beim Stanglwirt zum Singen
eingeladen!“
Von Anfang an entstand damit jene Atmosphäre, die bis heute so
einzigartig und typisch ist für die Treffen beim Stanglwirt. Die teilneh-
menden Gruppen sind keine Konkurrenten, sondern lernen sich ka-
meradschaftlich kennen und tauschen untereinander ihre Liadln und
Musikstücke aus. Dass dabei die Geselligkeit nicht zu kurz kommt, da-
für sorgt schon die Spendabilität der Stanglwirtsleute und die bekannt
fröhliche Mentalität der Sänger. In den folgenden Jahren kam einiges
Neues dazu. Zu den Tirolern und den Salzburgern gesellten sich bay-
rische und Südtiroler Sängergruppen.
Das Sängertreffen wird international
Wie der Kontakt mit den bayrischen Sängern hergestellt wurde, sei
kurz erwähnt: Zu Beginn der 50er-Jahre kehrten die Stanglwirtsleute
einmal in Innsbruck beim „Jörgele“, einem bekannten Weinlokal in
der Altstadt, ein und gaben einige Gsangln zum Besten. Der zufällig
anwesende Anderl Ostler, seines Zeichens Bobweltmeister aus Gar-
misch und selbst begeisterter Sänger, war von dem feinen und ange-
nehmen Klang des Trios so begeistert, dass er versprach, mit bay-
rischen Sängergruppen zum Stanglwirts-Sängertreffen zu kommen
und natürlich auch selbst dort aufzutreten. Zuerst nur vereinzelt, dann
immer zahlreicher, tauchten bayerische Volksmusikanten auf. Mit ihrer
schneidigen Musik lockerten sie das Programm ungemein auf.
Ein großes Problem war damals die fehlende Mobilität der einzelnen
Gruppen und die verkehrsmäßig eher ungünstige Lage in Going. Wer
besaß in dieser Zeit schon ein Auto? Oft holte Lois mit einem 170er-
Mercedes die Sänger zu Hause oder an den nächstgelegenen Bahn-
stationen ab und brachte sie wieder sicher dorthin zurück.
Irlinger Wastl, eine
lebende Legende
der echten
Volksmusik.
Die Musikanten
marschieren in
den Saal ein.
© Paul Dahan, Richard Urbanek, Rolf Kriesche, Archiv Stanglwirt
Das Magazin zum Jubiläum