Seite 34 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

34
Das Magazin zum Jubiläum
Sängertreffen
In den ersten Jahren wechselten die Sprecher des Sängertreffens häu-
fig. Nach Alois Käferböck waren es die beiden Rundfunksprecher Fritz
Bieler und Siegfried Wagner, der Kufsteiner Fritz Böck, Sepp Spacht-
holz aus Kramsach und der Wörgler Lois Plattner, die gekonnt durchs
Programm führten und die Gruppen vorstellten.
Die Stanglwirtin Anna Hauser war immer noch auf der Suche nach
ihrem“ Ansager und fand ihn schließlich in der Person des jungen
Brixlegger Lehrers Sepp Landmann, der in der einklassigen Volks-
schule in Hygna seinen Dienst versah und dessen Qualitäten als her-
vorragender Sprecher bei diversen Anlässen sich im Unterinntal schon
herumgesprochen hatten.
Die Ära von Sepp Landmann
Sepp Landmann, der unvergessliche Sprecher der Sängertreffen von
1957
bis 1987, wuchs bald über seine Rolle als Ansager hinaus. Er
wurde zum Gestalter der Treffen, indem er Einfluss und manchmal
auch sanften Druck auf die Liedwahl der einzelnen Gruppen ausübte.
Es ging ihm darum, dass die Darbietungen der Gruppen seinen Vor-
stellungen von echter Volksmusik entsprachen. Man kann ihn ohne
Weiteres den großen Kämpfern für das echte Volkslied zuordnen. Es
war auch sein Verdienst, dass beim Stanglwirt der heute durch kom-
merzielle Vereinnahmung so strapazierte Begriff „Volksmusik“ endgül-
tig definiert und eine Abgrenzung gegen Kitsch und „Unechtes“ ge-
setzt wurde. Was hier gesungen und gespielt wird, das ist bodenständig
echt, ob es aus alten Sammlungen stammt, mündlich von Generation
zu Generation weitergegeben oder – richtig nachempfunden in Melo-
die und Text – neu entstanden ist. Mit Humor, aber auch mit scharf-
sinnigen Worten brandmarkte er Schnulzen, und es gelang ihm, das
Publikum für das unverfälschte Volkslied zu begeistern.
In seinem Kampf gegen das kitschige und volkstümliche Lied war
Sepp nicht zimperlich mit seinen Worten. Das behagte einer be-
kannten Zillertaler Sängergruppe schon gar nicht und sie bestand dar-
auf, bei Gericht zu beweisen, dass ihr beim Sängertreffen vorgetra-
genes Lied nicht dieser Sparte zuzuordnen sei. Sie klagten Sepp
Landmann, und es kam zu einer Gerichtsverhandlung in Innsbruck.
Das war einmalig, so etwas hatte es noch nie gegeben, dass im Zuge
einer Urteilsfindung bei Gericht gesungen wurde. Wie ein Lauffeuer
verbreitete sich im Gerichtsgebäude die Nachricht, und Hausangestell-
te, Putzfrauen, Bürokräfte und zufällig anwesende Besucher eilten in
den Saal, um ja nicht diese unglaubliche Premiere zu versäumen. Viel
kam nicht heraus bei diesem Prozess. Die Kontrahenten einigten sich
auf einen Vergleich, alle trafen sich anschließend beim „Stiegl-Bräu“
und feierten gemeinsam das Urteil. Die Presse hatte natürlich etwas zu
schreiben und die Zeitungen berichteten in großen Schlagzeilen vom
Sängerkrieg beim Stanglwirt“ und vom „Sängerprozess“.
Die nächste Generation
Der bayerische Protektor der Volksmusik Wastl Fanderl schrieb über
Sepp Landmann und das Sängertreffen: „Der Sepp ist die Seele dieser
Begegnung, den Sing- und Spielleuten gehört seine ganze Liebe. Er ist
Freund und Helfer, humorvoller Dirigierer und – wenn's Not tut – ge-
strenger Wächter in Sachen Volkslied. So muss es sein!“
Als 1964 ganz plötzlich Anna Hauser, die legendäre Stanglwirtin,
starb – mitten aus dem Leben gerissen wurde –, befürchteten viele
Anhänger der Volksmusik das Ende der von ihr und Lois ins Leben
gerufenen Sängertreffen. Sie hinterließ ihren beiden noch nicht einmal
volljährigen Kindern ein schweres Erbe.
Das berühmte Stangl-Trio mit der jungen Maria Hauser (heute Sauper).
Der unvergessliche Sepp Landmann mit dem jungen Balthasar Hauser.
Auch die „Stanglwirts-Familie“ spielt bei den Sängertreffen auf.
Stanglwirt
400
Jahre