Seite 36 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

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Das Magazin zum Jubiläum
die Gruppe vorstellen soll, woher sie kommt und – das Wichtigste, und
da ist er streng – was gesungen und gespielt wird.
Mittlerweile hat sich der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt und
ein dicht gedrängtes Publikum erwartet das Auftreten der Sänger und
Musikanten. Niemand merkt die Hektik im Umfeld, wenn der Spre-
cher im oberen Stockwerk die auftretenden Musikanten holt und
manchmal auch suchen muss, sodass ein halbwegs geordneter Ablauf
des Programms gesichert ist. Es ist „stad“ im Saal, alles hört auf die
erläuternden Worte des Ansagers, der die einzelnen Gruppen, die nun
auf dem tannengeschmückten Podium Aufstellung genommen haben,
vorstellt. Eventuell anwesende prominente Zuhörer sind degradiert zu
einfachen Statisten, fühlen sich aber wohl in der Gesellschaft freund-
licher und sachkundiger Zuhörer. Es werden keine großen Reden ge-
schwungen über Brauchtumspflege oder „kulturelle Verpflichtungen“,
es geht nur um die Sänger und die Musikanten, die stehen im Mittel-
punkt des allgemeinen Interesses. Das sachkundige und begeisterte
Publikum weiß das und spendet frenetischen Applaus. Kaum eine
Gruppe verlässt ohne eine Zugabe das Podium.
Während der offiziellen Auftritte im großen Saal geht es auf der „Stan-
glalm“ im ersten Stock und den angrenzenden Gaststuben hoch her.
Diese Räume sind für die Sänger und Musikanten reserviert, wobei es
keinen Aufstand gibt, wenn es einem gelingt, als „nicht Dazugehö-
riger“ ein Platzerl zu ergattern, um am musikalischen Ohrenschmaus
mitzunaschen. Es herrscht eine unglaubliche Stimmung!
Ein friedlicher und fairer Wettkampf der Stimmen und der Instrumen-
te! „Ein Kampf der Klampfen und Gesänge“, könnte man es auch
anders ausdrücken. Kaum ist ein Lied verklungen, beginnt eine andere
Gruppe mit einem Musikstückerl. Die im Saal dargebotenen Lieder
sind nur ein Bruchteil dessen, was im oberen Stockwerk gesungen
wird. Und wenn das ganze Haus von Volksweisen widerhallt, so lässt
sich das nicht beschreiben. „Dös muaß ma dalebt haben!“, umschreibt
Balthasar Hauser diese schwer in Worte zu kleidende Atmosphäre.
Endloser Abschied
Nach dem erfolgreichen Auftritt erhalten Sänger und Musikanten ein
Erinnerungsgeschenk, das stolz mit nach Hause genommen wird und
in der Trophäen-Galerie einen würdigen Platz erhält. Die Wirtsleute
lassen sich dabei immer etwas ganz besonders Originelles einfallen.
Die Verabschiedung zieht sich hin, ein Abschiedsgsangl noch im Haus-
eingang, ein schneidiger Jodler vor dem Haus, vom Balkon a schöne
Weis, Abschiedsbusserl, Austausch von Adressen und Telefonnum-
mern, noch ein Erinnerungsfoto und manchmal eine heimlich ver-
drückte Träne … und der Wunsch und das Versprechen, sich im nächs-
ten Jahr wieder zu treffen.
Nahtloser Übergang zum Frühschoppen
Für Mitwirkende, welche eine lange Heimreise vor sich haben, werden
Übernachtungsmöglichkeiten geboten, von denen viele gerne Ge-
brauch machen, damit man als Mitwirkender nach dem Auftritt das
Sängertreffen richtig genießen kann. Auf Teufel komm raus wird dann
noch gesungen und musiziert, alle laufen zur Hochform auf, das Zeitge-
fühl, sprich Sperrstunde, ist komplett ausgeklammert, und für manche
gestaltet sich die Suche nach dem Nachtquartier in dem weitläufigen
Haus zu einem unerwarteten Abenteuer. Nach glaubwürdigen Berich-
ten von Beteiligten ist der nahtlose Übergang vom Sängertreffen zum
Frühschoppen am nächsten Morgen schon lieb gewordene Tradition.
Es muss sich im Leben vieles verändern, damit alles so bleibt wie es
ist …“ Dies war auch für das Sängertreffen wichtig. Balthasar Hauser,
genannt „Hauser“, gelang es, neben überlieferter Tradition auch not-
wendige Innovationen durchzuführen. 1987 übernahm Andrä Feller
aus Kitzbühel die Rolle als Sprecher. Er ist einer der ganz Großen in
Sachen Volksmusik, Leiter der bekannten „Mitterhögler Hausmusik“,
»
Eventuell anwesende promi-
nente Zuhörer sind degradiert zu
einfachen Statisten, fühlen sich
aber wohl in der Gesellschaft
sachkundiger Zuhörer.«
Franz Beckenbauer mit Stanglwirtin
Magdalena Hauser.
Musikanten aus allen Landesteilen sorgen beim Sängertreffen für Stimmung.
Andrä Feller, einer der ganz Großen
der Volksmusik, moderierte ab 1987.
Stanglwirt
Sängertreffen
400
Jahre