Seite 37 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

Veranstalter zahlreicher volksmusikalischer Veranstaltungen und Kom-
ponist unzähliger Musikstücke – mit einem Wort: kompetent, der rich-
tige Mann am rechten Ort.
Explosionsartige Vermehrung
In diesen Jahren war der „Andal“ nicht zu beneiden um seinen Job,
der Schwerstarbeit bedeutete. Seine beiden hübschen Nichten unter-
stützten ihn zwar tatkräftig in organisatorischen Dingen, aber da im-
mer mehr Sänger und Musikanten angereist waren – zum Schluss war-
teten bis zu 80 Gruppen auf ihren Auftritt –, gerieten trotz aller
Bemühungen die Zustände in den Stuben und im ersten Stock total
außer Kontrolle.
Dazu ist Folgendes zu bemerken: Den ersten großen Ansturm von
Gruppen gab es zu Beginn der 70er-Jahre nach der Eröffnung der
Stanglalm“ im ersten Stock. Die räumliche Beengtheit war zuvor ein
Problem, aber plötzlich hatten alle Platz. Man saß um den Tisch herum
und die Instrumente standen niemandem mehr im Wege. Da trat ein
Phänomen auf, mit dem man nie gerechnet hatte. Beinahe explosi-
onsartig vermehrte sich die Anzahl der Musikanten, und es waren vor
allem die „diatonischen Zuginspieler“, die mit unglaublichem Eifer und
voller Lautstärke das musikalische Geschehen auf der Stanglalm
beherrschten. Die Folge war, dass sich Sänger und die „Meister der
feinen Töne“ in andere „Gemächer“ zurückzogen, um sich gegenseitig
nicht in die Quere zu kommen.
Mit seiner angenehmen Art war Andrä der Ruhepol des ganzen Ge-
schehens, auch wenn er von 13 Uhr bis weit nach Mitternacht auf den
Beinen war und in dieser Zeit sogar auf sein geliebtes Pfeifchen ver-
zichtete. Es musste etwas geschehen.
Schweren Herzens entschloss man sich, in Zukunft nur noch eingela-
dene Gruppen beim Sängertreffen antreten zu lassen. Es bestand die
Gefahr, dass das Treffen zu einer unüberschaubaren Größe ausufern
würde. Man muss sich vorstellen: Hunderte Sänger und Musikanten
waren zu verköstigen und unterzubringen. Das war organisatorisch
nicht mehr zu bewältigen und überforderte trotz allen Interesses auch
die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die oft mehr als vier Stunden mucks-
mäuschenstill auf ihren Plätzen ausharrten.
Feller Andrä litt als echter Musikant darunter, dass er mit seinen „Mit-
terhöglern“ außer beim Auftritt im Saal nicht mehr musizieren konnte,
da er anderweitig voll beschäftigt war. Nach 13 von ihm moderierten
Sängertreffen bat er Hauser, nach einem neuen Sprecher Ausschau zu
halten, und versprach, zukünftig organisatorisch mitzuhelfen und die
musikalische Leitung zu übernehmen, das heißt, darauf zu achten,
dass nur echte Volkslieder vorgetragen werden.
Es war gar nicht so einfach, für das Sängertreffen einen neuen und
geeigneten Sprecher zu finden, aber im Salzburgischen wurde der
Stanglwirt fündig. Niemand geringerer als Philipp Meikl, Sänger und
Musiker wie Feller, bekannt als fachkundiger Moderator bei zahlreichen
Rundfunk- und Fernsehsendungen, übernahm nun, als „Mann der ver-
bindenden Worte“, wie er sich selbst bezeichnet, beim 90. Sängertref-
fen den heiklen, aber ehrenvollen Posten, den er zur Freude aller sou-
verän und mit großer Akzeptanz des Publikums bis heute ausübt.
Das Team des Sängertreffens
Gearbeitet wird nun schon seit einiger Zeit im eingespielten Team mit
Balthasar Hauser an der Spitze, Philipp Meikl als Moderator und An-
drä Feller als musikalischem und organisatorischem Leiter.
Als gute Seele und „Mutter“ des Sängertreffens wirkt Stanglwirtin
Magdalena Hauser, Musikantin und Gesangspartnerin ihres Mannes
und eben „vom Fach“. Sie pflegt vor allem die persönlichen Kontakte
zu den Gruppen und hat deshalb ein gewichtiges Wort bei den Einla-
dungen mitzureden. Magdalena Hauser stammt aus dem bayrischen
Reit im Winkl und steht in besonderer Beziehung zum Sängertreffen.
Anlässlich eines solchen Treffens hat sie ihren Mann Hauser kennen-
gelernt, im Herbst feiern beide das 25-jährige Hochzeitsjubiläum.
Sänger und Musikanten im gesamten Alpenraum hoffen, dass die
echte Volksmusik beim Stanglwirt weiterhin unvergessliche Erlebnisse
bescheren wird. Der Fortbestand der Sängertreffen scheint auf alle
Fälle gesichert zu sein. Die hochtalentierten Kinder – Maria, Elisabeth
und Johannes – sind bereits in die volksmusikalischen Fußstapfen ihrer
Eltern getreten. Dass sie bei jedem Sängertreffen wie selbstverständlich
singen und musizieren, sagt alles.
Beruhigt können die Stanglwirtsleute nun in die Zukunft schauen,
während mancher rätselt, wie diese Einzigartigkeit des Goinger Tref-
fens zu erklären ist. Balthasar Hauser hat die Antwort: „Das Sänger-
treffen wäre nichts Besonderes, wenn man es beschreiben könnte!“
Weiters sagt Hauser, und damit erklärt er seine persönliche Grundein-
stellung zu diesem Thema: „Zukünftige Generationen werden uns
nicht daran messen, wie viel Umsatz wir gemacht haben, sondern dar-
an, welche bleibenden Werte wir geschaffen und erhalten haben!“
»
Zukünftige Generationen werden
uns nicht daran messen, wie viel
Umsatz wir machten, sondern
welche bleibenden Werte wir ge-
schaffen und erhalten haben.«
Die Stanglwirts-Buam im Jahr 1972 (o. l.), das Stanglwirtstrio Elfi, Hausei
und Resi (o. r.), das Stanglwirts-Trio (u. l.), die Reit im Winkler Sänger (u. r.)
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Das Magazin zum Jubiläum
Sängertreffen
Stanglwirt
400
Jahre