Seite 41 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

Italien und der französischen Schweiz in führenden Hotels tätig. 1996
musste er sich entscheiden: Einerseits sollte er für die Luxuskette Kem-
pinski in führender Position ein Hotel in Moskau eröffnen, anderer-
seits brauchte es beim rasant wachsenden Stanglwirt dringend je-
manden, der die administrativen Abläufe organisiert. Richard Hauser:
Zudem war meine damals schon hochbetagte Großmutter mütterli-
cherseits pflegebedürftig, deshalb entschied ich mich für den Stangl-
wirt.“ Schnell baute er eine Organisation auf, die heute das wirtschaft-
liche Rückgrat des Hotels bildet, absolvierte die Prüfung zum
Unternehmensberater und gründete ein eigenes Consulting-Unterneh-
men, das unter anderem Hotelprojekte in Kroatien mit 2.700 Betten
erfolgreich betreute. Für den Sohn des Stanglwirts war es damals kei-
neswegs selbstverständlich, dass er im elterlichen Unternehmen blei-
ben würde. Diese Entscheidung fiel erst 1998. Damals erkannte er,
dass das beachtlich gewachsene Anwesen noch immer viel zu klein
war. „Wir brauchen Suiten und Wellness-Einrichtungen“, analysierte
er. Sein Vater Balthasar war anfangs wenig begeistert: „Ich hab ein
Leben lang gebaut und jetzt ist alles um die Hälfte zu klein.“
Um die Hälfte zu klein
Schließlich vertraute er dem Rat seines Sohnes und baute den „Kaiser-
bogen“ – eine goldrichtige Entscheidung. Seither hat sich der Mitarbei-
terstand mehr als verdoppelt, der Umsatz stieg aufs Dreifache, aus
dem Viersternehotel wurde ein Fünfsterneresort. Der Stanglwirt zählt
heute zu den 20 umsatzstärksten Hotels in ganz Europa. Und während
andere Touristikbetriebe unter Krisen leiden, genießt der Stanglwirt
beste Bonität, eine solide Eigenkapitaldeckung und einen Auslastungs-
grad an der Kapazitätsgrenze.
Im Hintergrund arbeitet Richard Hauser ständig weiter an den Struk-
turen. Mittlerweile ist er auch als gerichtlich beeideter Sachverständi-
ger am Landesgericht in Innsbruck tätig. Wie er dafür Zeit findet?
Einem Maulwurf braucht man nicht anzuschaffen, dass er gräbt. Und
einem Unternehmer nicht, dass er arbeitet.“ Auch beim Stanglwirt
nahm er das Heft fester in die Hand. Er wandelte das alte Einzelunter-
nehmen in eine GmbH um, definierte Standards und sorgte dafür, dass
das Hotel die komplette Produktion der Landwirtschaft verwertet. „Je-
der Grashalm auf einem der Stanglhof-Gründe landet in irgendeiner
Form beim Gast.“ Biologisch, nachhaltig, authentisch. Denn trotz
Kostenbewusstsein und Prozessoptimierung bleibt auch Richard Hau-
ser dem Stanglwirt-Motto treu: Die Unabhängigkeit von Reisebüros
oder Vermarktungsketten bleibt gewahrt, die Qualität hoch, der Stangl-
wirt ein Kulturgut. „Alleinstellungsmerkmal“ nennt das Richard Hau-
ser. „Bei uns wird jeder Euro Gewinn zu hundert Prozent reinvestiert.
»
Ein Baukörper und ein Klang-
körper sind für mich etwas
Ähnliches: Beides braucht
Harmonie. Es heißt ja nicht
umsonst Häuser-Ensemble.«
Das Magazin zum Jubiläum
Stanglwirt
Die Zukunft
400
Jahre
© Paul Dahan, Archiv Stanglwirt