Seite 64 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

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eine Frage: Die Natur hat es gut gemeint mit der Königin des
Wintersports. Kitzbühel, das ist Natur in XXL. Garniert mit
alpinen Steilvorlagen wie dem Wilden Kaiser, ein Kalkriff im
Wolkenmeer. Das Tal selbst: nicht zu eng, nicht zu weit, nicht zu breit.
Eher gerade richtig. Doch die Natur allein ist bloß der Rohstoff, die
Kulisse, die eine Idee belebt und stützt. Denn Kitzbühel – das ist vor
allem auch eine Marke. Der Name Kitz beinhaltet ja bereits alles, was
moderne Branding-Spezialisten nur erträumen können. Ein Name,
der einem über den Gaumen rollt wie jene Champagnerperlen, die in
Kitzbühels legendären Bars auch verwöhnteste Klientel bei Laune hal-
ten. Spritzig und kitzlig und prägnant geht er auch dann noch über die
Zunge, wenn diese schon etwas schwer geworden ist. Bloß: Schwere
verbietet sich das Branding dieser besonderen Stadt. Was allein schon
der Blick auf das Wappentier verrät: Um ein regelrechtes Gustostück-
chen von einer Gams handelt es sich hier.
Die Gams als Wappentier
Kein Wunder, dass man im Merchandisingbereich der Kitzbühel-Web-
site neben allerlei Schlüsselanhänger und Aufnähern auch einen
Gams-Keksausstecher lukrieren kann. Als wahlweise silbernes oder
goldenes Model legt diese den Kitz-Fans das berühmte Gamserl als
Plätzchen nahe. Und klar: Zum Anbeißen sieht das Wappentier ja aus.
Keck steht die zierliche Gams am Fels. Kein bisschen hausbacken,
sondern so feminin, wie man es vom Logo einer Jetset-Destination
denn auch erwarten kann.
Wandert man nach Hochkitzbühel hinauf, kann man die Ursprünge
der berühmten Gams bis heute verfolgen. Schließlich verwaltet dort
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Das Magazin zum Jubiläum
oben Michael Walde-Berger, ein großer schlaksiger Mann, das künstle-
rische Erbe seines berühmten Großvaters Alfons Walde. Mit der ke-
cken Walde-Gams und dem dazugehörigen „Kitzbühel“-Schriftzug hat-
te dieser nicht nur den Inbegriff einer weltberühmten Wort-Bild-Marke
geschaffen – die jüngst mit umfangreichen Rechten an den Kitzbühel-
Tourismus abgetreten wurde –, sondern auch das Image der Stadt
skizziert. Die flotten Burschen in den Keilhosen und die liebevollen
Details der mit Leder verflochtenen Skistockteller und Bindungen, all
die verschneiten Schönwetterhänge und Gipfel – wer kennt die in den
1920
er- und 1930er-Jahren entstandenen Landschafts- und Winter-
sportbilder nicht? Damals, als Walde vom Dach seines Hauses das
Licht am Steinbergkogel einfing und die sportiven Verrenkungen einer
neuen Generation, wurde ein Mythos verfestigt, der bis heute hält.
Walde nutzte die Gunst der Stunde, immerhin durfte er Kitzbühel in
einer besonders delikaten Grätsche erleben: Die mondäne Schickeria
hatte bereits Quartier bezogen, zugleich hielt die traditionelle Tiroler
Bauernwelt Hof.
Diese Vorlage gilt noch immer – und in mancher Weise konnte sie bis
in die Gegenwart durchgepaust werden. Das verrät ja bereits ein erster
Blick auf die Läden, die sich über die pastellfarbenen Fassaden der
Altstadt verteilen und die diese erdige Kitz-Eleganz auf ihre Weise wei-
ter gepflogen haben. Kaspar und Theresia Frauenschuh etwa, deren
Eltern noch eine Gerberei besaßen, in der Lederkleidung nach Maß
gefertigt worden war. Heute haben sie es bis zum eigenen Label ge-
bracht: Insider müssen da nicht mal aufs Etikett schauen, sie erkennen
die „Luxury Sportstyle Fashion“ des Kitzbüheler Couturiers auch so:
ein Look, der seit 30 Jahren konstant Kraft und Zeitlosigkeit verbin-
det. Der, ausschließlich in Österreich gefertigt, am Berg genauso gut
ankommt wie in der City. Alpin ja, krachledern nein. Dieser Devise
folgen auch andere edle Läden, und sie macht Kitzbühel zu einer ganz
besonderen Shoppingdestination.
Der Geheimtipp
Da wäre der kleine, aber feine Geheimtipp unter den Trachten-Lieb-
habern: das Kitzbüheler Gwand. Von klassisch-traditionellen Modellen,
die die Seele Tirols widerspiegeln, bis zu stylisch-individueller Land-
hausmode reicht das Angebot – yes, Kitz can! Wenige Schritte weit
entfernt, ebenfalls am Rathausplatz, führt der Schneidermeister Eder
»
Der Name Kitzbühel rollt einem
über den Gaumen wie jene
Champagnerperlen, die in den
legendären Bars auch verwöhntes
Klientel bei Laune halten.«
Sie verkörpern Tradition und Zeitgeist: Helmut Eder sen. mit den Kitzbühe-
ler Originalen Hansi Hinterseer, Eva Maria Salcher und Toni Sailer (v. l. n. r.).
Helmut Eder gilt mit seinen Geschäften als Inbegriff für Luxusmode.
Er und sein Team gratulieren der Familie Hauser zum Jubiläum!
© Kitzbühel Tourismus/medialounge, Peter Korrak, Helmut Eder, Gössl, Frauenschuh
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Kitzbühel
400
Jahre