Seite 76 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

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Das Magazin zum Jubiläum
400
Jahre
Stanglwirt
W
eiche Flügel werden sichtbar, verschwimmen kurz, verlie-
ren sich im Blau des Gebirgshimmels. Ein leises Zittern
liegt dort oben in der Luft, doch ein wenig dauert das
Scharfstellen schon. Dort oben: Das ist der Himmel über Tirol, und
soeben tasten sich Federn an ihm entlang. Fast wie Engelsschwingen,
die einen versteckten Spalt im Blau suchen, einen geheimen Hinter-
ausgang Richtung Paradies. Dabei liegt die Herrlichkeit doch soeben
vor uns. Vor mir, dem Hobby-Ornithologen aus Wien, und vor dem
Sepp, der als erster hinaufgedeutet hat. Es ist ein prächtiger Stein-
adler, dem die Schwingen gehören, und sein Patrouillenflug zirkelt
weite Spiralen übers Kaisergebirge – ein kleiner Punkt, der in seiner
Welt Oberhoheit genießt.
Tirol sehen wie nie zuvor
Doch es ist nicht immer leicht, dem König der Lüfte zu folgen. Etwa
dann, wenn er nach Beute spähend für kurze Momente zum Wappen-
tier gefriert. Obwohl: Adleraugen haben ja auch wir. Geliehen von
Sepp. Es sind funkelnde Augen aus klarem Kristallglas. Swarovski-
Augen. Denn das zünftige Binokular gehört dazu, wenn man in Tirol
auf „Nature Watch“ macht, dem Land auf diese Weise ein schönes
Stück näher kommen kann. „Tirol sehen wie nie zuvor“ – so lautet der
Slogan rund um die geführte Wanderung, bei der Swarovski für die
perfekte Optik sorgt. Und er hat viel mit neuen Perspektiven zu tun,
vielleicht sogar mit Achtsamkeit. Distanz und Nähe berühren sich da.
Intimität und Fernrohr. Und genau das ist auch jetzt der Fall. Denn
kaum ist der Adler verschwunden, schiebt sich plötzlich ein Schatten-
riss vor. Sanft gekrümmt, so wie die köstlichen Croissants, die es heu-
te zum leichten Frühstück gab. Aber so lang und dünn und gerippt, wie
es hier, in dieser gewaltigen Höhe, nur ein besonderes Paar Hörner
sein kann. Das des Steinbocks. Eine Silhouette paralleler Schatten, die
sich vorsichtig über den Steilhang bewegt. Fast zum Greifen nah holt
ihn das Fernrohr heran.
Steinadler plus Steinbock. An sich ein Tiroler Duo, das man eher von
Sportjacken-Logos und den Ansichtskarten der Skiorte kennt – neben
Mammut-Labels und roten Bullen. Aber weil wir diesem Tirol kurz den
Rücken gekehrt haben, durch den dichten Wald lieber Richtung Almen
aufgestiegen sind, haben sich die Plüsch-Murmeltiere und Wanderab-
zeichen-Embleme plötzlich mit echtem Leben erfüllt. Die Reinheit des
geschliffenen Glases und das Funkeln der kristallklaren Bergbäche, die
einem Tirols gurgelnde, aufbrausende Seite in erfrischender Klarheit
näher bringen – ideal geht das zusammen. Der Blick auf die Natur:
gestochen scharf.
Eine Insel in der Zeit
An der Kulisse scheitert es ja auf keinen Fall. Das war schon in den
frühen Morgenstunden klar, als die Sonne die ausgefransten Grate des
Wilden Kaisers in flammendes Rot tauchte. Wie eine Insel in der Zeit
liegt das Kalkriff des Großachentals da vor uns: Eine natürliche Festung
mit urwüchsigen Bergwäldern, mit Almwiesen und Schluchten, die die
»
Steinadler und Steinbock.
Ein Duo, das man von Ansichts-
karten kennt. Bei Nature-Watch-
Touren am Wilden Kaiser wird
das Klischee plötzlich lebendig.«
Daheim in Tirol:
Steinadler, Steinbock und Co.
lieben die karge Bergwelt
.
Tirol und Nature Watch
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