Seite 79 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

In der Innsbrucker Altstadt scheint das Mittelalter gegenwärtig. Von
weither leuchtet das von Kaiser Maximilian I. errichtete Goldene Dachl,
als ob die 2738 vergoldeten Kupferschindeln des spätgotischen Prunk-
erkers noch immer alte Gerüchte um Maximilians Geldnot zerstreuen
müssten. Innsbruck atmet Geschichte, hat der Verbindung von Wehrhaf-
tigkeit und Kunstsinn die Treue gehalten. Stehen geblieben ist die Zeit
nicht. Events wie der Tanzsommer, die Festwochen der Alten Musik, die
Internationalen Filmfesttage oder die Klangspuren Schwaz setzen zeit-
genössische Impulse. Der Architekt Dominique Perrault hat der Tiroler
Hauptstadt zuletzt die moderne Rathausgalerie beschert, Zaha-Hadid
mit der Berg-Isel-Schanze ein Bauwerk von überregionaler Strahlkraft.
Doch das schönste Ensemble stellen vielleicht die schützenden Berge
bereit. Die Fahrt mit der Hungerburgbahn und der Panoramablick von
der 2.000 Meter hohen Seegrube rückt Innsbrucks enge Verbindung mit
der alpinen Bergwelt ins rechte Licht. Gleich zweimal, 1964 und 1976
war die Stadt Austragungsort Olympischer Winterspiele. Von der Piste
bis in die Altstadt wedeln kann man hier. Oder mit Schneeschuhen, Tou-
renskiern oder sommerlichen Wanderstiefeln die umliegenden Wander-
gebiete erkunden – etwa im Alpenpark Karwendel oder auf dem Zirben-
weg am Patscherkofel.
Ein Abstecher
nach Innsbruck
Mittelalter pur: Die Innsbrucker
Innenstadt und das Goldene Dachl.
Kaunergrat ein vielfältiges Landschafts-Potpourri aus hohen Gipfeln,
sanft gewellten Wiesen und weitläufigen Wäldern mitunter wie jene
hyperrealen Landschaften wirken lässt, deren ätherisch-goldenes Licht
normalerweise TV-Werbespots flutet. Aber hier ist alles echt. Auch die
Orchideen, die wiederum im hoch gelegenen Naturpark Zillertaler Al-
pen besondere Akzente setzen – so wie die Amethysten und Bergkris-
talle, die dort dem Glitzern der achtzig (!) umliegenden Gletscher Kon-
kurrenz machen.
Keine Frage: Tirols Naturschätze sind gerecht verteilt. Das beweist
auch ein Nature-Watch-Spaziergang vom Goinger Stanglwirt zum
Hüttling-Moos – jetzt ein uriges, kleines Konferenzzentrum im Wald,
zugleich eines der ältesten besiedelten Gebiete in Going. Vor etwa
fünfzig Jahren war dieses Anwesen von den Österreichischen Bundes-
forsten erworben, die dazugehörige Landwirtschaft still gelegt worden.
Das alte Bauernhaus schlummerte in einzigartiger Bachlage vor sich
hin, samt seltenen Fischen, Vögeln und Pflanzen, direkt am Fuße des
Wilden Kaisers – unterhalb der Graspointalm, wo der Stanglwirt-Käse
produziert wird –, und dient jetzt als Ausgangspunkt zu Nature-Watch-
Wanderungen Richtung Moorgebiet. Windwehenmoos, Haarbinse,
Fieberklee – eine europaweit einzigartige, lange Zeit vergessene Natur-
oase wurde so sanft aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Am Südhang
des Wilden Kaisers befinden sich gleich mehrere dieser schützens-
werten Feuchtgebiete, seit Sommer 2007 wird hier in Zusammenar-
beit mit den Österreichischen Bundesforsten renaturiert. Matsch?
Moor? Ist dabei garantiert, trotzdem können manche der Wege von
Going aus sogar per Kinderwagen oder Rollstuhl besucht werden. Vor
allem aber bietet die Gegend: much more. Viel mehr Natur vor allem,
als man in einem einzigen Urlaub erfassen könnte.
Das Geheimnis des Kaisergebirges
Nicht dass einem hier, im Osten Nordtirols die starken Eindrücke allzu
schnell verblassen könnten: Das gilt schon gar fürs eingangs erwähnte,
angrenzende Kaisergebirge, dem tausend Meter hohe Abstürze und
bizarre Felsspitzen eine besondere Wildheit verleihen – als ob die ab-
weisenden Steilhänge ein besonderes Geheimnis zu wahren hätten.
Was in der Tat der Fall ist. Aufgrund der geringen eiszeitlichen Verglet-
scherung haben sich hier seltene Pflanzen und besondere Eiszeit-Re-
likte erhalten. Die Zwerg-Alpenrose etwa und der „Grüne Regen-
wurm“, der am Nordabfall des Zahmen Kaisers, am Fuß der Schanzer
Wände bei Ebbs, unter der Rinde alter Strünke die Jahrtausende über-
dauern konnte. Wie eine Schmuckschatulle der Natur, ausgelegt mit
weichem Moos und funkelnden Tautropfen, öffnen sich Einblicke in
diese grandiose Natur. Streift man ein wenig durch die Feuchtgebiete
des majestätischen Gebirgssockels, so können Wanderer und „Nature
Watcher“ erst recht auf Makroebene umstellen. Der eigenwillige
Schnittlauch-Sumpf am Kohllahner Sattel drängt dann ins Bild und
bedeckt die darunter liegende Krautschicht mit einer Lage aus violet-
ten, dicht stehenden Blütenköpfen. Quellmoore lassen bei Hinterbä-
renbad oder an der höher gelegenen Kleinmoosenalm Schachtelhalm
und Binsen im Wind wehen. Geschützt wurden hier auch die Bewoh-
ner – zumindest vor dem Autoverkehr. Bis 2006, als nach langem Hin
und Her ein Tunnel gebaut wurde, galt das Kaisertal als letztes be-
wohntes Tal Österreichs ohne Verkehrsanbindung. Wirklich laut ist es
hier bis heute nicht – bleibt die Nutzung der Straße doch den wenigen
Hans Peter Haselsteiner (re.) und Gustav Kuhn (Mitte) begrüßen Landes-
hauptmann Günther Platter in Erl.
Kulturtipp
Kultur und Erholung perfekt vereint: Die Tiroler Festspiele Erl haben mit
dem Stanglwirt den idealen Partner für ein kulturelles Genusspaket der
Luxusklasse gefunden. Hochkarätige Gäste aus Politik und Wirtschaft
schätzen das außergewöhnliche künstlerische Angebot im Erler Pas-
sionsspielhaus ebenso wie das vollendete Hotelkonzept für absolutes
Wohlbefinden.
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Das Magazin zum Jubiläum