Seite 86 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

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radition und Bodenständigkeit – das fällt einem Betrachter
spontan ein, blickt er die stattliche Buchenallee hinauf zum
Schloss Glanegg in der Salzburger Gemeinde Grödig. Mit den
1,4
Meter dicken Wänden und seinen drei stabilen Geschossen wirkt
das Gebäude wie ein breiter Turm, der die wechselhaften Jahrhunderte
unbeeindruckt miterlebt hat. Im 13. Jahrhundert errichtet, war es zu-
nächst erzbischöflicher Sitz, dann beherbergte es viele Jahrzehnte ein
Pflegschaftsgericht. Nach zahlreichen Besitzerwechseln wurde die Lie-
genschaft 1896 von der Familie Mayr-Melnhof übernommen. Seitdem
lebt die traditionsreiche Familie in den traditionsreichen Gemäuern.
Stammgäste seit Jahrzehnten
Tradition und Bodenständigkeit, trotz aller Modernität – das charakte-
risiert auch den Stanglwirt in Going. Kein Zufall also, dass die Mayr-
Melnhofs zu den Stammgästen der Familie Hauser zählen. „Seit fast
25
Jahren fahren wir jedes Jahr eine Woche Ende Jänner nach
Going“, sagt Maria-Anna „Maya“ Mayr-Melnhof. Von den Salzbur-
gern wird sie schlicht und würdevoll „die Baronin“ genannt. Und selbst
das offizielle Österreich hält sich bei Ehrungen und öffentlichen Auftrit-
ten an diese Bezeichnung, obwohl die Adelstitel längst abgeschafft
sind. Aber die Tradition überdauert auch manche Gesetzgebung.
Außergewöhnlich ist auch die Zusammensetzung der Mayr-Meln-
hof’schen Reisegruppe: Sie besteht ausschließlich aus Damen, neun
insgesamt. Babys sind erlaubt, Männer nicht. „Ich habe selbst acht
Kinder und weiß daher, dass Mütter manchmal eine Auszeit brauchen“,
sagt die Baronin, „daher lade ich meine fünf Töchter und die drei
Schwiegertöchter jedes Jahr für diese Woche hierher ein, damit sie
auch mal eine Pause vom Alltag haben.“
Grödig und Going haben nicht nur viele Buchstaben gemeinsam, sie
liegen auch nur eine Autostunde voneinander entfernt – nicht gerade
die Welt. „Und trotzdem ist man beim Stanglwirt in einer ganz ande-
ren Welt“, betont Maria-Anna Mayr-Melnhof. „Man findet hier so eine
herrliche Ruhe und kann hundertprozentig abschalten. Es ist eine At-
mosphäre fast wie Zuhause, aber eben doch ein bisschen anders. Und
dann diese traumhaften Sonnenaufgänge am Wilden Kaiser…“,
kommt die 82-Jährige ins Schwärmen.
Aber wie kommt man als vornehme Adelige – Maria-Anna Mayr-Meln-
hof ist eine geborene Gräfin Orsini-Rosenberg, uralter österreichischer
Hochadel aus Kärnten – nach Going? „Ach wissen Sie, ich war auch
einmal jung“, sagt die Baronin lächelnd, „und einen Teil meiner Ju-
gend habe ich in Kitzbühel verbracht. Das Ausgehen war damals etwas
anders als heute, wir haben uns eher ein gemütliches Gasthaus ge-
sucht und dort den Abend verbracht. Und der Stanglwirt war ein sol-
ches Gasthaus. Die Wirtin war damals schwanger, und wenig später
wurde Balthasar geboren. Ich war also schon bei ihm zu Gast, da war
er noch gar nicht auf der Welt.“
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Es ist eine Atmosphäre fast wie
zu Hause, aber eben doch ein
bisschen anders. Und dann die-
se traumhaften Sonnenaufgänge
am Wilden Kaiser ...«
Das Brautpaar Philipp und Anne Brandis im Kreise der Familie: Vinzenz,
Teresa, Ferdinand, Sophie und Cäcilia Brandis nehmen mit dem Brautpaar
Aufstellung fürs Hochzeitsphoto.
Balthasar Hauser und Stanglwirt-
Direktrice Trixi Moser mit Familie
Mayr-Melnhof.
Die Mayr-Melnhof Schwestern
LR Doraja Eberle und
Gräfin Sophie Brandis.
© Mayr-Melnhof/Doraja Eberle, Sophie Brandis, Archiv Stanglwirt, Franz Neumayr/picturedesk.com
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Das Magazin zum Jubiläum