Seite 90 - Bio-Hotel Stanglwirt | Jubiläumsmagazin 400 Jahre

Die Familie Mayr-Melnhof
zählt zu den traditionsreichs-
ten Familien Österreichs und
zu den wirtschaftlich aktivs-
ten. Aufgebaut ist die Unter-
nehmensgruppe auf Wald und
Holz. Kernstück ist die börse-
notierte Mayr-Melnhof Karton AG, die mehrheitlich der Familie ge-
hört. Vom Stammsitz im steirischen Frohnleiten aus hat sich das vor
mehr als hundert Jahren gegründete Unternehmen mittlerweile zum
größten Kartonhersteller Europas entwickelt. Bei gestrichenem Re-
cyclingkarton sind die Steirer sogar weltweit die Nummer eins. Der
Konzern verfügt über 35 Produktionsstandorte in 15 Ländern. Der
Umsatz beträgt 1,7 Milliarden Euro, beschäftigt werden mehr als
8.000
Mitarbeiter.
Das Unternehmens-Imperium
Zum Industrie-Imperium des Clans gehört auch die Mayr-Melnhof
Holz AG, 1953 in Leoben gegründet. Mit der modernen Sägeanlage
in Leoben sowie einer Anfang 2004 in Tschechien in Betrieb genom-
menen Anlage werden jährlich rund 1,3 Millionen Kubikmeter Holz
eingeschnitten. Einen großen Expansionsschritt hat die Holz AG mit
der Errichtung eines Sägewerks in Efimovskij, 250 Kilometer östlich
von St. Petersburg, getan. Gemeinsam mit der russischen Immobili-
en- und Baustoffgruppe LSR wurde dort das größte Sägewerk in
Russland mit einer Fläche von 24 Hektar errichtet. Investitionskos-
ten: 80 Millionen Euro. Um die Holzversorgung sicherzustellen, wur-
de auf 50 Jahre eine Waldfläche von 250.000 Hektar gepachtet.
Weitere Unternehmen im Besitz der Familie sind die Mayr-Melnhof
Systemholz in Gaishorn, einer der führenden Hersteller von Brett-
schichtholz in Europa, sowie die MM Timber Trading, ein weltweit
operierendes Holz-Handelshaus.
Die Salzburger Linie setzt auf Forstwirtschaft
Zwar ist die Salzburger Familienlinie an den Kartonaktivitäten betei-
ligt, federführend ist dabei aber die steirische Linie. Die Salzburger
Mayr-Melnhofs sind vor allem in der Forstwirtschaft aktiv. Mit 7.000
Hektar Grund und Boden ist die Familie der größte private Grundbe-
sitzer in Salzburg. Zum Besitz zählen auch Schloss Glanegg bei Grö-
dig sowie Schloss Kogl im Attergau. Weitere Unternehmen sind die
Freiherrliche Mayr-Melnhofsche Holzhandlung in Salzburg sowie
eine Beteiligung an der Wohnungsgesellschaft der steirischen Mayr-
Melnhofs.
Ein kurzer
Überblick
Das Reich
der Mayr-
Melnhofs
90
Das Magazin zum Jubiläum
ßem Erfolg Hunde aus, die vor allem Kinder begleiten und unterstüt-
zen, die im Rollstuhl sitzen müssen. „Partnerhunde steigern die
Selbständigkeit und die Lebensqualität behinderter Menschen“, sagt
die Präsidentin. Christlich, karitativ, sportlich – das sind wesentliche
Elemente ihres Lebens, sagt die rüstige 82-Jährige. Fehlt also nur
noch der Sport, und auch da ist sie Präsidentin, nämlich bei den
Österreichischen Golfseniorinnen.
Business und Tradition
Aus gesellschaftlicher Verantwortung ist die Familie auch politisch
aktiv. Clanchef Friedrich II. Mayr-Melnhof war von 1983 bis 1986
Salzburger Agrarlandesrat für die ÖVP und über drei Jahrzehnte Ver-
treter des Privatwaldes in der Landwirtschaftskammer. Tochter Doraja
Eberle folgt ihm nach: Sie gehört als Landesrätin der Salzburger
Regierung an, zuständig für Familie, Jugend, Volkskultur und Erhal-
tung des kulturellen Erbes. Die diplomierte Sozialarbeiterin hat zudem
den Verein „Bauern helfen Bauern“ gegründet und ist Vorstandspräsi-
dentin der Organisation „Humanitäre Hilfe in Kroatien, Bosnien und
dem Kosovo“.
Business und Tradition, Standesbewusstsein und gesellschaftliche Ver-
antwortung – alles das kommt bei den Mayr-Melnhofs zusammen. Der
Karton-Konzern notiert, ganz modern, an der Börse und steht daher
in einem Ausmaß in der Öffentlichkeit, das die Familie nicht besonders
schätzt. Auf der anderen Seite sind vier der acht Kinder mit Adligen
verheiratet: Reisky von Dubnitz, Nostitz-Rieneck, Clary von Aldringen,
Edler Herr zu Brandis – die Heiratsurkunden lesen sich wie ein Auszug
aus einem österreichischen Geschichtsatlas.
Werte erhalten statt Jetset
Zufall oder gezielte Heiratspolitik wie einst bei den Habsburgern? Die
Baronin schmunzelt. „Nein, nein, so ist das nicht. Aber die alten Adels-
familien haben doch viele Gemeinsamkeiten, etwa dieselbe Art der
Erziehung, dasselbe Verständnis von Verantwortung und Disziplin.
Und dadurch gibt es eine gemeinsame Basis, auf der junge Menschen
leichter zusammenkommen.“ Die gemeinsamen Mahlzeiten am gro-
ßen Esstisch gehören dazu – überflüssig zu erwähnen, dass dabei nir-
gends im Hintergrund ein Fernseher läuft. Traditionen hochzuhalten
und weiterzuleben ist für Anna-Maria Mayr-Melnhof sehr wesentlich,
womit sie vielleicht eine Vorreiterin dessen ist, was heute unter dem
Begriff „Nachhaltigkeit“ so modern ist. „Tradition ist etwas sehr Posi-
tives und für Österreich Wichtiges, denn wer würde sonst die Burgen
und Schlösser erhalten, deretwegen so viele Touristen in unser Land
kommen? Statt sich für eine Million Euro einen Privatjet zu kaufen und
damit ins eigene Haus nach Ibiza zu fliegen, stecken wir diese Summe
halt lieber in ein neues Dach für unser Schloss.“
Besonders freut die Baronin, dass auch die Tradition der Stanglwirt-
Urlaube bereits auf die nächste Generation übergegangen ist. „Auch
meine Kinder kommen immer wieder mit ihren eigenen Familien nach
Going, um beim Balthasar und seiner Familie Urlaub zu machen“, er-
zählt sie. Setzt sich diese Tradition weiter fort, kann sich auch die Fa-
milie Hauser nachhaltig freuen – immerhin hat Baronin Mayr-Melnhof
bereits 30 Enkel und zehn Urenkel. Für zukünftige Stammgäste beim
Stanglwirt ist also gesorgt.
Das Schloss Glanegg,
Wohnsitz der Familie.
Stanglwirt
Mayr-Melnhof
400
Jahre