Seite 16 - Bio-Hotel Stanglwirt:

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Sprung bei der Seidlalm bewältigen, im Lärchenschuss Tempo maxi-
mieren und auf die Hausbergkante zurasen. Endlich ist das Ziel in 
Sicht, ganz Kitzbühel liegt einem zu Füßen. Die Kraft ist am Ende, 
50.000 
Zuseher sorgen an der Piste für ohrenbetäubenden Lärm. 
Aber das schnellste Stück kommt erst, nach der Traverse, wo es mit 
140
km/h in den Zielschuss geht. Dann, nach 3.312 Metern Länge 
und 860 Metern Höhenunterschied ist man im Ziel, fast mitten in 
Kitzbühel. „Das gibt es bei keinem anderen Rennen“, schwärmt Hansi 
Hinterseer, der den nicht minder legendären Slalom auf dem Gans-
lernhang, den zweiten Teil des Hahnenkamm-Rennwochenendes, 
gewonnen hat. 
Abschwingen, nach Luft ringen, viele lassen sich vor Erschöpfung ein-
fach in den Schnee fallen. Ob einem die Risken der Strecke bewusst 
sind, die vielen Verletzten, die die Streif in ihrer langen Geschichte 
schon gefordert hat? „Man darf nicht nachdenken“, sagt Fritz Strobl, 
der ewige Bestzeithalter, der Mann, der die Streif am schnellsten 
bezwungen hat.
Schwierigste Rennstrecke der Welt
Die Stimmung in Kitzbühel entschädigt für den brutalen Ritt über die 
schwierigste Rennstrecke der Welt“, wie sie Ski-Idol Hermann Maier 
bezeichnet: 50.000 Zuseher an der Piste und im Ziel, 100.000 Gäste 
in Kitzbühel, 500 Millionen Zuseher an den TV-Geräten rund um die 
Welt feiern die Gladiatoren, die über das vereiste Band rasen. Nirgend-
wo zieht der alpine Skizirkus mehr Prominenz an als beim Weltcupwo-
chenende in Kitzbühel. Albert von Monaco, heute Fürst des mondä-
nen Kleinstaates, war schon als Prinz Dauergast am Hahnenkamm, 
Popmusik-Heroen von Zucchero bis Gloria Gaynor lassen sich das 
Spektakel auch kaum entgehen, ebenso wenig mächtige Wirtschafts-
bosse wie Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz – und erfolgsverwöhnte 
Motorsportler wie Gerhard Berger. 
Der einstige Ferrari-Heroe meint, dass es schon immer eine gegensei-
tige Anziehungskraft von verwegenen Abfahrern und nicht minder 
draufgängerischen Formel-1-Piloten gab. Wahrscheinlich ist es die 
Liebe zum Temporausch, die verbindet, der Mut zum nur schwer kal-
kulierbaren Risiko – und der begründete Ruf, dass sowohl die Schnee- 
wie auch die Motorsportler ausgelassener als alle anderen Athleten 
richtige, unvergessliche Partys feiern können.
Eine Party schafft sich selbst
Den Beweis treten sie alljährlich beim Stanglwirt an: Sie machten die 
Weißwurstparty zu dem, was sie heute ist – ein legendäres Event, rund 
um die Welt bekannt, mit einzigartiger Stimmung. Ebenso wie das 
Rennen am Hahnenkamm ist sie nicht „gemacht“ oder „geschaffen“, 
sondern entstand zufällig, wurde ganz von selbst immer populärer, 
blieb daher echt und unverfälscht. In beiden Fällen brauchte es nur 
einen visionären Impulsgeber. 
Im Skizirkus war der Wahlkitzbüheler Franz Reisch der Pionier. Ende 
des 19. Jahrhunderts verschlang er die Zeilen von Polarforscher Frid-
jof Nansen, der in seinem Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ 
die Freuden des Skisports in höchsten Tönen lobte. Reisch wollte die 
Faszination erleben, besorgte sich solche „Brettl“ und unternahm im 
Winter 1892/1893 die ersten Skiwanderungen. „Jetzt is der Reisch 
400
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Die Weißwurst grüßt als Namensgeber der Party schon am Eingang.
Franz Beckenbauer mit Wladimir Klitschko und Reinhard Stocker.
Balthasar Hauser mit Toni Holnburger (links) und Alfons Schuhbeck (rechts).
Das Magazin zum Jubiläum
Stanglwirt
Die Party/Das Rennen
20
Jahre Weißwurstparty