Seite 18 - Bio-Hotel Stanglwirt:

ganz narrisch g’worden“, zeigten sich seine Mitbürger anfänglich 
skeptisch. Und doch ließen sie sich bald von der Euphorie des Pioniers 
anstecken. Die unter anderem vom Kitzbüheler Skiclub gepflegte 
Legende berichtet, dass Reisch mit Sagern wie „Sepp, i muass dir 
oane oberhaun, damit du woaßt, wie schön´s war!“, zu seinem Freund 
Josef Herold für Neugier sorgte, was denn nun so toll am Gleiten auf 
zwei hölzernen Brettern über tief verschneite Hänge war.
Wie die Weißwurstparty entstand
Der Pionier der Weißwurstparty heißt Reinhard Stocker, einstiger Ho-
teldirektor beim Stanglwirt. Er hat kein Megaevent geplant. Sondern 
eine private Party. Zu sechst saß man im Jahr 1991 im Kaminstüberl, 
der heutigen Wasserbar, hatte prächtige Laune und plante, das gesel-
lige Beisammensein zu institutionalisieren. Die Idee war wenig spekta-
kulär: Ein gemeinsames Fondue-Essen sollte es sein, am besten am 
Freitag vor der Hahnenkamm-Abfahrt, da seien sowieso alle in Kitzbü-
hel, und schließlich wolle man ja zusammen mit den Helden der Streif 
feiern. Denn: Skifahrer besuchten den Stanglwirt schon immer gerne. 
Die großen Idole der Vergangenheit – wie Toni Sailer, Karl Schranz, 
Ernst Hinterseer oder Franz Klammer – ebenso wie die späteren 
Heroen. Der ÖSV nutzt die hervorragenden Möglichkeiten beim 
Stanglwirt auch im Sommer für Trainingslager, zum Auftakt der Hah-
nenkamm-Woche stärkt man sich am Dienstag mit einem Abendessen 
im Traditionsgasthof mit Weltruf. Benni Raich etwa kommt auch ohne 
Team gerne zum Stanglwirt, um sich das nötige „Doping“ für die 
kommende Saison zu holen oder um einfach ein paar schöne Tage mit 
seiner Marlies Schild zu genießen. 
Da Skisportler nicht unbedingt als Eigenbrötler oder Spaßbremsen be-
kannt sind, entwickelten sich schnell auch persönliche Freundschaften 
zwischen Sportlern und Hotel-Fachkräften. Ex-Direktor Reinhard 
Stocker radelte mit dem gesamten ÖSV-Team per Mountainbike über 
die Streif, seine damalige Stellvertreterin und spätere Nachfolgerin 
Trixi Moser – selbst ehemalige Kaderskiläuferin – pflegt tiefe Freund-
schaften mit Hannes Trinkl, Fritz Strobl und Stefan Eberharter. 
Hermann Maier entdeckte per Gitarre zusammen mit Balthasar 
Hauser die Gemeinsamkeiten von Volksweisen aus Salzburg und Tirol. 
Und da die Abfahrer eine verschworene Gemeinschaft sind, die sich 
nicht durch Nationalitäten trennen lassen, werden regelmäßig auch 
deutsche, Schweizer, amerikanische und kanadische Spitzensportler 
bei den  geselligen Runden angetroffen. 
Wenig verwunderlich, dass die Party-Idee der Sechser-Runde schnell 
auf begeistertes Echo stieß. Die Tiroler Unternehmer Reini Wimpissin-
ger und Edwin Utrankah wollten das kleine, familiäre Fest sponsern. 
ÖSV-Rennfahrer Patrick Ortlieb hatte dann noch eine Idee: „Wenn 
schon der deutsche Weißwurstkönig Toni Holnburger dabei ist, dann 
wollen wir seine Würschteln natürlich auch kosten.“ Der Angespro-
chene ließ sich nicht zweimal bitten und sorgte mit der legendären 
© Archiv Stanglwirt, Siebinger, Rolf Kriesche, Promedia, Paul Dahan, Ralph Larmann
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Das Magazin zum Jubiläum
Stanglwirt
Die Party/Das Rennen
20
Jahre Weißwurstparty