Seite 24 - Bio-Hotel Stanglwirt:

Aber ebenso wie auf der Weißwurstparty gehört das Wilde, das Un-
planbare einfach dazu. „Würde es Kitzbühel nicht geben, man müsste 
es erfinden“, sagte Skiclub-Chef Dr. Michael Huber vor einigen Jah-
ren. Recht hat er: Das Rennen auf der Streif wäre nicht der Höhe-
punkt des Rennwinters, wenn sie eine familienfreundliche „Autobahn“ 
ohne Bodenwellen wäre. Kein Wunder, dass hier immer wieder Skige-
schichte geschrieben wurde. Im Jänner 1966 wurde auf der Seidlalm, 
dort wo Hansi Hinterseer geboren wurde, die FIS erfunden, jene Or-
ganisation, die heute den Skiweltcup organisiert. Eingefallen ist sie 
dem französischen Sportjournalisten Serge Lang in einem Gespräch 
mit jenem Mann, der damals der Konkurrenz auf fast jeder Piste um 
Sekunden voraus war: Toni Sailer, der „Schwarze Blitz aus Kitz“. Ge-
meinsam leiteten sie die „Neuzeit“ im Skisport ein, globalisierten den 
von Franz Reisch so euphorisch bejubelten Sport.
Tausche Auftritt gegen Party-Einladung
Eine völlig neue Organisation brauchte auch die Weißwurstparty. Sie 
wurde von Jahr zu Jahr größer, spektakulärer. Lindsey Vonn, damals 
noch mit dem Mädchennamen Kildow, ist heute ebenso Stammgast wie 
Freundin Maria Riesch, Felix Neureuther, Karl Schranz, Harti Weirather, 
Helmuth Höflehner oder Ex-Herrentrainer Charly Kahr. Auch die nor-
dischen Sportler sind gern gesehene Gäste, Toni Innauer ist ebenso bei 
Weißwurst, Brezen und Weißbier anzutreffen wie Klaus Heidegger, der 
zum Erfolgsunternehmer gewordene Skiheld, der dafür extra aus Kali-
fornien anreist. Tickets gab es in den Urzeiten noch keine. Man konnte 
sein Interesse bekunden und musste hoffen, eingeladen zu werden. Mitt-
lerweile drängelte sich auch die Prominenz auf dem legendären Fest, 
angesagte Musiker kamen und sangen ein paar Lieder. „Bühne gab es 
damals ja keine“, erinnert sich Trixi Moser. „Die Leute haben einfach 
eine kleine Fläche freigemacht, dann sang ein Popstar ein paar Lieder, 
dann ging es weiter.“ Reinhard Stocker: „So kamen wir zu Gaststars, die 
wir uns als kleines Hotel niemals hätten leisten können. Lou Bega etwa, 
der damals mit ‚Mambo Nr. 5‘ einen Welthit hatte, trat auf, weil er bei 
der Party dabei sein wollte. Geld hat er keines bekommen.“ Ähnlich 
kam der Gig von Superstar Zucchero zustande. „Ein Freund kannte 
seinen Manager, der erzählte ihm von dem Fest, prompt erschien der 
weltberühmte Italiener und gab sein ‚Senz’una donna‘ zum Besten.“ Die 
Stimmung blieb unverändert: Die Party dauerte bis in die späten Mor-
genstunden, im dichten Gedränge der Menschenmenge gab es kein Vor 
und Zurück, nach dem Fest fanden sich Wursthäute „auf jedem Bilder-
rahmen, in jedem Blumentopf, einfach überall“, erinnert sich Direktorin 
Moser. Gefeiert wurde immer, egal, ob ein Österreicher Favorit auf den 
Sieg war oder ob die Schweizer dem ÖSV um die Ohren fuhren. 2003, 
»
Im dichten Gedränge gab es
kein Vor und Zurück mehr. Nach
der Party fanden sich Wursthäute
auf Bilderrahmen, Blumentöpfen
einfach überall.«
Lou Bega
Fritz
Strobl
Reinhard Stocker mit Zucchero
und Stanglwirt-Freund und
Konzert-Veranstalter Ossy Hoppe.
stärksten Clubs der Welt ist. Rennen wurden nun jeden Winter ausge-
tragen, die erste richtige Hahnenkammabfahrt fand im Jänner 1931 
statt. Ferdl Friedensbacher war der schnellste. Hans Mariacher siegte 
im Slalom, die Kombinationswertung holte sich der Brite Gordon 
Cleaver. Diese drei Bewerbe sind es auch jetzt, 80 Jahre später, die 
das Hahnenkammrennen ausmachen. 
Der Rekord von Fritz „the cat“ Strobl
1937 
dann der nächste Meilenstein: Man übersiedelte auf jene Wie-
sen, wo einst der Bauernhof eines gewissen Herrn Straiff stand – die 
heute legendäre Streif. Wieder siegte mit Thaddäus Schwabl ein Öster-
reicher. Dann kam das vorübergehende Aus: Der Zweite Weltkrieg 
warf seine dunklen Schatten auch über Kitzbühel, die Menschen hat-
ten andere Sorgen, als Rennen zu organisieren. Dennoch: 1946, ein 
Jahr nach dem Ende des blutigen Schreckens, maß man sich schon 
wieder auf der Streif, um herauszufinden, wer der beste und mutigste 
Skifahrer war. 
Wieder siegte Schwabl, mit einer Lederkappe statt eines Sturzhelms, 
flatternden Hosen, die mit Lederriemen um die Knöchel festgebunden 
wurden, auf Skiern, die nicht viel mehr waren als geschnittene und 
glatt polierte Stücke vom Baum. Fast vier Minuten brauchte der Sieger 
damals, um die Streif zu bezwingen. Fritz  Strobl, Beiname „the cat“, 
fuhr 70 Jahre nach der Premiere in weniger als einer Minute und 52 
Sekunden über die Streif. Ein Rekord, der bis heute hält. 107 km/h 
muss man durchschnittlich schnell sein, um Strobls Zeit zu schaffen. 
Fast ein Ding der Unmöglichkeit. Didier Cuche, der Sieger aus dem 
Jahr 2009: „Ich gratuliere allen, die hier heruntergefahren sind. Ich 
glaube, wir spinnen.“
24
Das Magazin zum Jubiläum
Stanglwirt
Die Party/Das Rennen
20
Jahre Weißwurstparty