Seite 33 - Bio-Hotel Stanglwirt:

Der Sternekoch
Alfons Schuhbeck ist ein Phänomen: Seinen Michelin-Stern erkochte er sich
in Rekordzeit, sein Gastro-Imperium in der Münchner Innenstadt brummt,
die Einschaltquoten seiner TV-Auftritte sind ebenso rekordverdächtig wie die
Verkaufszahlen seiner Koch- und Gewürzbücher.
B
ei der Weißwurstparty bejubeln mehr als 2.000 Gäste seine 
innovativen Kreationen. Dabei war sein Start ins Leben alles 
andere als glamourös. „Denk’ dir nix! Mit der Weißwurst 
kannst alles machen!“, riet Alfons Schuhbeck seinem Kollegen Tim 
Mälzer, als Letzterer zweifelte, ob die Verwandlung des kulinarischen 
Nationalheiligtums der Bayern in eine norddeutsche Currywurst nicht 
doch etwas zu provokant sei. Schuhbeck ist so. Unkompliziert, ge­
erdet, sympathisch. Und dabei ungeheuer kreativ: Seit er bei der 
Weißwurstparty im Stanglwirt an den Töpfen rührt, hat sich die Riesen­
party auch zu einem Gourmet­Ereignis gemausert. „Champagner­
Weißwurst“ wird da kredenzt, auch einen Weißwurst­Burger wird es 
zum 20. Jubiläum erstmals geben. Schuhbeck lässt sich immer wieder 
Neues einfallen. Kein Wunder: Der Mann ist seit 1983 ohne Unterbre­
chung mit einem Michelin­Stern ausgezeichnet, wurde vom Gault 
Millau zum Koch des Jahres gewählt und was immer er eröffnet, ist 
bald als Fixadresse in den Navigationsgeräten von Gourmets, Promi­
nenten und Superstars gespeichert.
Talent statt goldener Wiege
Dabei wurde Schuhbeck kein goldener Kochlöffel in die Wiege gelegt 
– 
ganz im Gegenteil. Geboren wurde der 61­Jährige im bayerischen 
Traunstein mit dem Nachnamen Karg. Die Jugend verlief unspektaku­
lär. Er ließ sich zum Fernmeldetechniker ausbilden, in seiner Freizeit 
sorgte er mit einer Rockband für Stimmung in den umliegenden Städt­
chen. Auch in Waging trat er auf. Die Show im kleinen Örtchen hart 
an der Grenze zum österreichischen Salzburg veränderte sein Leben. 
Dort lernte er den Gastwirt Sebastian Schuhbeck kennen, der den 
jungen Mann kurzerhand adoptierte, ihn als Universalerben einsetzte 
und an die Gastronomiefachschule in Bad Reichenhall schickte. 
Schuhbeck hatte eine gute Wahl getroffen, sein neuer Filius wurde 
alsbald von den besten Küchen der Welt akzeptiert. Er lernte in Salz­
burg, Genf, Paris, London und natürlich München an den nobelsten 
Adressen: Feinkost Käfer steht ebenso auf seiner Liste wie Dallmayer 
oder das legendäre Aubergine von Jahrhundertkoch Eckart Witzig­
mann. 1980 übernahm er das Lokal seines Adoptivvaters, das „Kur­
hausstüberl“ im verschlafenen Waging am See. Es folgte ein kulinari­
sches Erdbeben. Immer mehr prominente Feinschmecker besuchten 
den jungen Wirt, um die aufregenden Kreationen zu testen, über die 
bald toute München sprach. 1983 kam er im Gastronomiehimmel an: 
Der Guide Michelin, die Bibel der Feinschmecker, verleiht ihm einen 
Stern. Den hat er bis heute verteidigt. Eigentlich hätte er sich damit 
zufrieden geben können. Aber immer mehr Prominente kehrten bei 
ihm ein: Politiker, Fußballstars, die TV­Prominenz. Nach einer Krise in 
den Neunzigern, als ihm eine bekannte Anlagebetrügerin viel Geld aus 
der Tasche zog, startete er richtig durch und gründete die Schuhbecks 
am Platzl GesmbH. Tatsächlich eröffnete er auf dem einst etwas dubi­
osen Münchner Platzl ein Restaurant, eine Eisdiele, einen Gewürzla­
den, eine Kochschule, eine Schokothek und ein Weinbistro. Sein Par­
tyservice ist legendär und bei allen wichtigen Veranstaltungen in 
Deutschland präsent. Er bekochte mehrere deutsche Kanzler und 
Minister, ernährt den Superstar­Club FC Bayern München, tritt regel­
mäßig im Fernsehen auf, ist auf der Wies’n präsent und schreibt ein 
Buch nach dem anderen. Dann, wenn er um zwei Uhr in der früh nach 
19 
Stunden Arbeit nach Hause kommt, stemmt er noch Gewichte. 
Schließlich hat er 30 Kilo abgenommen und will in Form bleiben. 
Geschlafen wird höchstens vier, manchmal fünf Stunden.
Mit saisonalen Produkten kochen
Seine Philosphie blieb unverändert: Während andere „Klimbambim“ 
kochen, bleibt Schuhbeck geerdet, seiner Heimat treu verbunden. 
Schwärmt vom Kohlrabi, zaubert mit Erdäpfeln – und vermählt das 
Urbayerische“ mit der vielfältigen Welt der Gewürze, die er auf seinen 
internationalen Streifzügen kennenlernte. In Interviews preist er die 
Kraft des Korianders, der auf das Immunsystem „16­mal stärker wirkt 
als Ascorbinsäure“. Referiert über den Broccoli als „innere Sonnen­
brille“, den Bärlauch als Blutreiniger. Sein Motto: Kochen, was vor der 
Haustüre wächst, was gerade Saison hat. Nehmen, was da ist. Ein 
Credo, das an die Philosophie des Stanglwirts erinnert. Kein Wunder, 
dass die beiden zusammenfinden mussten und eine höchst geschmack­
volle Symbiose eingegangen sind. Die Gäste der Weißwurstparty 
können es jedes Jahr aufs Neue bestätigen. 
»
Wenn er um zwei Uhr morgens
nach 19 Stunden Arbeit nach
Hause kommt, stemmt er noch
Hanteln. Schuhbeck will sein
Gewicht halten.«
© Siemens
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Das Magazin zum Jubiläum
Stanglwirt
20
Jahre Weißwurstparty
Alfons Schuhbeck