Seite 43 - Bio-Hotel Stanglwirt:

Ein stiller
Stern
Gerry Friedle alias DJ Ötzi hat Millionen
von Platten verkauft, steht im Guiness-
buch der Rekorde und ist einer der er-
folgreichsten österreichischen Künstler.
Trotzdem ist er bescheiden geblieben.
Kraft dazu holt er sich beim Stanglwirt.
W
er glaubt, Gerry Friedle, der Mann, der DJ Ötzi ist, sei 
auch abseits der Bühnen ein polternder und hedo­
nistischer Partytiger, irrt gewaltig. Ganz im Gegenteil. 
Friedle gibt sich im Privatleben nicht als Star, kennt keine Allüren, ist 
fast schon ungewöhnlich bescheiden. Statt Witze zu reißen, philoso­
phiert er lieber über das Leben. Die neue CD „Du und ich“ schlägt 
deshalb auch ganz andere Töne an, als man nach den heute noch be­
liebten Partykrachern aus der Frühzeit seiner Karriere vermuten wür­
de. „Ich musste am Anfang die Ballermannparty­Sachen machen, um 
bekannt zu werden. Jetzt brauche ich keinen neuen Hype mehr“, er­
klärt der Mann, der so gut wie alle Musikpreise des deutschen Sprach­
raums zu Hause im Schrank stehen hat. Bereut hat er den „Anton aus 
Tirol“ aber nie, im Gegenteil. Der erste Megahit ermöglichte ihm erst 
die Freiheit, die er heute hat. Und die will er nutzen: „Um etwas Sinn­
volles zu machen, etwas, das mir Spaß macht.“ Dazu gehört natürlich 
Musik. Aber noch mehr, an der eigenen Entwicklung zu arbeiten. „Nur 
wenn man menschlich groß ist, kann man etwas Großes leisten“, sagt 
Friedle. Ein philosophisches Wortspiel, das an den Stanglwirt Balthasar 
Hauser erinnert. Nicht ganz zu Unrecht. Friedle liebt das Biohotel in 
Going, schätzt die Familie Hauser über alle Maßen, hier hat er auch 
geheiratet. „Ein Begriff“ war der Stanglwirt natürlich auch für Gerry 
Friedle schon lange. Aber erst der Dreh zu einer TV­Serie führte 
Balthasar Hauser und den Schlagerstar zusammen: „Wir haben sofort 
einen Draht zueinander gefunden. Wir denken sehr ähnlich.“
Erst obdachlos, dann Charts-Stürmer
Vielleicht, weil sie es beide nicht leicht hatten im Leben – und dennoch 
oder gerade deswegen Großartiges schufen. Balthasar Hauser stand 
nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter fast vor dem Nichts. Gerry 
Friedle traf es noch härter. Seine Mutter war bei seiner Geburt erst 17 
Jahre alt und mit einem Baby total überfordert. Sie gab ihn zu Pflege­
eltern, danach wuchs er bei den Eltern seines Vaters auf. Mit 16 riss er 
von zu Hause aus, rutschte ab, war sogar einige Monate lang obdach­
los. Der Wille, etwas zu erreichen, war aber stärker. Der Tiroler raffte 
sich auf, lernte Koch und schlug sich als Entertainer und DJ durch. 
Das heißt: Jeden Tag in einem anderen Lokal, jeden Tag bis in die 
Morgenstunden arbeiten, jeden Tag Party – ein Knochenjob. Endlich 
wird auf einer Karaokeshow sein Talent entdeckt. Es ging aufwärts – 
bis zum nächsten Rückschlag. „Krebs“, lautete die niederschmetternde 
Diagnose – bei einem Mann in den Zwanzigern ein Grund zu verzwei­
feln. Friedle kämpfte. „Mein Leben ist reich an Verlusten“, sagt er 
heute. Auch diesen Kampf hat er gewonnen. Und dann, Ende der 
Neunziger, kam der große Knall: „Anton aus Tirol“ hielt sich 75 Wo­
chen lang in den österreichischen Charts, war die Nummer 2 in den 
Niederlanden und die Nummer 3 in Dänemark. DJ Ötzi war geboren: 
Der „Anton“ ist bis heute der ultimative Anheizer in allen Skihütten. 
Das nächste Album, „Love, Peace und Vollgas“ im Jahr 2000 schien 
zunächst zu floppen. Wie so oft in den Karrieren österreichischer 
Künstler kam zuerst das Ausland auf den Geschmack. Die Single­Aus­
kopplung „Hey Baby“ war im Pop­Mekka England ebenso die Num­
mer 1 wie in Australien, war in vielen Ländern in den Charts und so­
gar in den USA ein gern gespielter Hit. DJ Ötzi war der erste 
österreichische Popkünstler, der in Großbritannien mit Gold­ und Pla­
tinschallplatten ausgezeichnet wurde, Ex­Beatle Sir Paul McCartney 
schüttelte ihm die Hand. Im Jahr darauf stürmte er mit einem Cover 
des Opus­Klassikers „Life is life“ die Charts, in Frankreich verkaufte 
sich die Single fast eine Million Mal. Friedle blieb Vielarbeiter, tourte 
fast ununterbrochen oder arbeitete an neuen Titeln. Seine Herkunft 
»
Bei Dreharbeiten habe ich
Balthasar Hauser persönlich
kennengelernt. Wir haben sofort
einen Draht zueinander gefunden.
Wir denken sehr ähnlich.«
© Archiv Stanglwirt, APA picturedesk.com, Guido Ohlenbostel/Action Press/picturedesk.com
Gerry Friedle heizt auf
der Weißwurstparty ein.
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Das Magazin zum Jubiläum
Stanglwirt
20
Jahre Weißwurstparty
Gerry Friedle