Seite 48 - Bio-Hotel Stanglwirt:

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Sailer startete seine nächste Karriere. Er nahm Schauspiel- und
Gesangsunterricht in Berlin. Auch jetzt wollte er professionell sein. Er
nahm 18 Schallplatten auf und wurde damit sogar in Japan zum Super-
star. Noch Jahrzehnte später, bei der WM in Morioka, bekamen öster-
reichische Sportfunktionäre von Japanern zu hören: „Österreich – das
ist Mozart und Toni Sailer.“ Er spielte auch 22 Hauptrollen in Kino- und
Fernsehproduktionen; bei einer davon, die im Stanglwirt gedreht wur-
de, entstand eine tiefe Freundschaft zu Balthasar Hauser: „Der Toni war
ein ganz besonderer Mensch, mit Hansi Hinterseer und Franz Becken-
bauer einer der engsten Freunde der Familie“, sagt Stanglwirt Hauser.
Immer wieder kam er nach Going, um seinen Lieblingsberg zu fotogra-
fieren. Hauser erinnert sich: „Toni Sailer hat gesagt: ,Der Wilde Kaiser
schaut jeden Tag anders aus.‘ Also hat er ihn jeden Tag fotografiert. Es
gibt wahrscheinlich auf der ganzen Welt keinen Menschen, der mehr
Bilder von diesem Berg hat als der Toni Sailer.“
Als die deutschen und österreichischen Filmproduktionen in der Gunst
des Publikums sanken, fragte Toni Sailer seinen Bruder Rudi, was er
tun solle. Der kleine Bruder riet ihm, zu seinen Wurzeln zurückzukeh-
ren, also in den Skisport. 1972 wurde der „Schwarze Blitz aus Kitz“
Cheftrainer des Österreichischen Skiteams, holte sofort den Nationen-
Toni Sailer präsentiert seine Erinnerungen in Buchform.
Sportler des Jahrhunderts: Toni Sailer und Annemarie Moser-Pröll.
Treffpunkt Stanglwirt: Toni Sailer mit Gattin Hedi und Freunden.
Ski-Legenden unter sich: Franz Klammer und Toni Sailer.
cup von den bis dahin dominierenden Franzosen zurück – und half mit,
dass Franz Klammer 1976 in Innsbruck wieder Olympisches Gold für
Österreich eroberte. Sailers Aufgabe war damit getan, wieder war er
erfolgreich. Noch im selben Jahr heiratete er seine erste Frau, Gaby
Rummeny, in Vancouver und baute in Kanada Skier.
Ein Sieger mit Herz
Die Verbindung zu seiner alten Heimat riss nie ab: In seiner Skischule
Rote Teufel“ unterrichtete er Kinder oft persönlich, als begeisterter
Golfsportler wurde er Präsident des Golfclubs in Kitzbühel, zwischen
1986
und 2006 war er Rennleiter am Hahnenkamm. Zusätzlich enga-
gierte er sich karitativ, sein großes Herz galt den benachteiligten Kin-
dern. Nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahr 2000 heiratete er
2006
ein zweites Mal: Er führte Hedwig Fischer vor den Traualtar,
jene Frau, mit der ihn eine große, innige Liebe verband. Damals
kämpfte er bereits mit seiner Krebserkrankung, die er nie an die große
Glocke hing: „Es waren nicht nur die sportlichen Erfolge, die für
Österreich, den Skisport und auch die Wirtschaft von fundamentaler
Bedeutung waren, sondern auch das Menschliche. Wie er mit seiner
Das Magazin zum Jubiläum
Stanglwirt
20
Jahre Weißwurstparty
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