Seite 50 - Bio-Hotel Stanglwirt:

sich viel mehr über seine Disqualifikation in Grenoble ärgern. Karl
Schranz ist gerne in Going zu Gast, bei der Weißwurstparty kommt ihm
sogar eine ganz besondere Rolle zu. Da er sich einmal scherzhaft
beschwerte“, warum „die Würstl kalt und das Bier warm“ seien, darf er
jetzt das Fest eröffnen. Stanglwirt Balthasar Hauser serviert ihm persön-
lich die ersten Würste, dann geht das Fest los.
Als sich Karl Schranz 1972 endgültig vom Skiweltcup verabschiedete,
reifte schon das nächste Talent auf den Pisten. Franz Klammer, ein
spätberufener Kärntner, der erst mit 14 Jahren so richtig in den Renn-
sport einstieg. Der Grund: Im heimischen Mooswald gab es keinen
Skilift, der nächste Skiort war 30 Kilometer von der Klammer’schen
Bleibe entfernt. Verborgen blieb das Talent nicht lange: Schon 1971,
als 18-Jähriger, gewann er sein erstes FIS-Rennen, die Europacup-
abfahrt in Bad Kleinkirchheim. Als erster erkannte Abfahrtstrainer
Charly Kahr die gewaltige Begabung, die da im ÖSV schlummerte.
Kahr bildete den ursprünglich in Schranz’scher Tradition als Allrounder
angetretenen Klammer zum Abfahrtsspezialisten aus. Und Klammer
gewann alles, was es zu gewinnen gab. 1973 gewann er sein erstes
Weltcuprennen gleich mit Geschwindigkeitsrekord. Mit durchschnitt-
lich 111,3 km/h raste er über die Planai in Schladming. Schneller war
die nächsten 20 Jahre keiner mehr. Erst Armin Assinger erreichte
1993
in der Sierra Nevada mit 112,3 km/h einen höheren Speed.
1974
holte Klammer Silber in der Abfahrt und in der Kombination bei
der Weltmeisterschaft in St. Moritz, 1976 folgte die Krönung: Ab-
fahrtsgold bei den Olympischen Spielen in Innsbruck! 60.000 Zuseher
waren aus dem Häuschen, selbst sein größter Konkurrent, Bernhard
Russi, gratulierte neidlos. „Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefal-
len, dann war mir alles egal. Das riesige Tohuwabohu habe ich gar
nicht richtig mitbekommen“, erinnerte sich der Olympiasieger im ORF
an diese entscheidende Goldmedaille. Auch die Motivation schien da-
hin. Zwei Jahre nach dem Olympiatriumph riss der Faden, drei Jahre
lang stand der erfolgsverwöhnte Kärntner auf keinem Podest mehr.
Doch Klammer fightete sich zurück: 1981, als ihn die Medien längst
abgeschrieben hatten und mit Häme übergossen, gewann er in Val
d’Isere, 1983 den Abfahrts-Weltcup, 1984 zum vierten Mal auf der
Streif. Jetzt war er der größte Abfahrer aller Zeiten: Vierfacher Hah-
nenkammsieger, 25-facher Weltcupsieger, Olympiasieger, doppelter
Weltmeister, fünffacher Abfahrtsweltcupsieger. Danach holte er sich
die Siege im amerikanischen Profi-Rennsportzirkus und zeigte als Mo-
torsportler auf. Heute besticht er durch ein niedriges Golf-Handicap,
das er auch geschickt zugunsten seiner Franz-Klammer-Foundation zu
nutzen versteht, die sich um verletzte Sportler kümmert. Klammer
musste selbst miterleben, wie tragisch Karrieren enden können. Sein
jüngerer Bruder Klaus, selbst ein vielversprechendes Renntalent, ist
nach einem Sturz querschnittgelähmt. Klammer: „Damals dachte man
noch nicht an Versicherungen, das war ein Schicksalsschlag.“
Kamikaze in Nagano
Mit solchen hatte auch die jüngste österreichische Abfahrtslegende zu
kämpfen: Hermann Maier. Das Ausnahmetalent blühte ähnlich wie
Franz Klammer lange im Verborgenen. Schuld daran war eine Erkran-
kung im Knie. Als der gelernte Maurer und Skilehrer als Vorläufer bei
einem Weltcuprennen die beste Zeit auf die Piste zauberte, wurde der
ÖSV auf ihn aufmerksam. Peter Schröcksnadel, der nicht nur als Un-
ternehmer sondern auch als ÖSV-Chef ein vielfach goldenes Händ-
chen bewies, setzte Maier sofort im Europacup ein. Der Lohn: Maier
wurde gleich in seinem ersten Rennen Zweiter. Noch im selben Jahr
feierte er sein Weltcupdebut. 1996, in Maiers erster voller Weltcupsai-
son, kam die erste schwere Verletzung. Maier verletzte sich bei einem
Sturz an der Hand, die Weltmeisterschaften in Chamonix fanden ohne
ihn statt. Dann startete er richtig durch. Zu Saisonende feierte er sei-
nen ersten Sieg im Gesamtweltcup. Bei den Olympischen Spielen in
»
Das riesige Tohuwabohu habe
ich gar nicht mitbekommen«,
erinnert sich Franz Klammer an
die ersten Minuten nach seinem
Olympiasieg in Innsbruck.
Balthasar Hauser beim Musizieren mit Hermann Maier.
Hahnenkamm-Siegesfahrt von Hermann Maier.
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