Seite 70 - Bio-Hotel Stanglwirt:

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da ist es nie ums Geld gegangen. Sonst wäre das schon längst gestor-
ben. Sondern nur um die Freude am Musizieren und an der Musik.“ 
Tatsächlich bekam das Sängertreffen eine Eigendynamik. Obwohl 
kein Cent an Gagen ausgeschüttet wurde, kamen immer mehr Musik-
gruppen. Nicht nur aus Tirol, sondern auch aus Bayern und Südtirol. 
Das ist, wie wenn sich die unterschiedlichsten Singvögel aus ganz 
Europa auf einem Baum versammeln würden, gemeinsam singen, und 
dann wieder nach Hause fliegen. Das wäre doch ein Naturwunder, 
eine weltweit bekannte Attraktion.“ Eine Attraktion ist es tatsächlich, 
das Sängertreffen: Von acht Uhr Abends bis weit nach Mitternacht ist 
der Gasthof randvoll, eine Gruppe nach der anderen tritt auf, noch in 
den frühen Morgenstunden ist aus allen Gaststuben Gesang und Musik 
zu vernehmen. „Das dauert länger als eine Wagner-Oper. Aber alle 
bleiben bis zum Schluss!“
Nie machen, was alle tun“
Auch das ist wieder typisch Balthasar Hauser: Während andere auf 
Schlagermusik setzten, führte er die Tradition echter Tiroler Hausmu-
sik fort. „Ich habe nie gemacht, was alle getan haben. Sondern immer 
das Gegenteil davon“, erzählt Balthasar Hauser. Nicht um des Wider-
stands Willen, sondern nach langen Überlegungen und aus Überzeu-
gung. Bestes Beispiel: Der Bau der spektakulären Tennishallen. 
Ursprünglich lagen die Tennisplätze auf der anderen Straßenseite ge-
genüber dem Stanglwirtshaus. Der Wald spendete Schatten, der rau-
schende Bach sorgte für Abkühlung. Bis zu einem Hochwasser, das 
alle Tennisplätze mit fortriss. Hauser baute neue Tennisplätze, diesmal 
auf der „sicheren“ Seite, in den Hang hinein. Und als der Tennisboom 
rundherum abriss, wagte er sogar zwei Hallen zu errichten. Mit be-
grüntem Dach, auf dem heute die Schafe weiden. Ein Konzept, das 
man mittlerweile sogar im fernen Russland kopierte. Die Überlegung: 
Ich dachte mir: Wenn man so etwas anbietet, dann muss man es 
richtig machen. So, dass man wetterunabhängig Tennis spielen konn-
te. Mit genügend Platz für viele Gäste, mit den besten Trainern, die es 
gibt.“ Und so kamen die Tennisgäste weiter zum Stanglwirt, während 
anderswo die Plätze zu Mehrzweckhallen umgebaut wurden. 
Wir gewinnen, indem wir verlieren“
Das Hotel wuchs weiter. Aufs Geld schaute der Stanglwirt dabei nie. 
Wir gewinnen, indem wir verlieren“, nennt das der Stanglwirt. Die 
Zimmer wurden viel größer als notwendig. Und im Restaurant setzte 
ein Oberkellner auf Gourmetmenüs. Ein riesiges Defizit: Tennissport-
ler wollen keine zehngängige Speisenfolge. Doch Balthasar Hauser 
ließ ihn gewähren, „weil der so eine Freude damit gehabt hat, und die 
Gäste hatten eine Gaudi.“ Bald sprach sich die feine Küche beim 
Stanglwirt unter Gourmets herum. Und als die Tennisgäste ausblieben, 
füllten die Feinschmecker das Hotel. Ein glücklicher Zufall? Nicht 
ganz: Balthasar Hauser hat schon immer ein feines Gespür für Men-
schen gehabt, für Ideen, die funktionieren. Und er hatte die Größe, 
Entwicklungen zuzulassen. „Meine Lehrer waren die Gäste mit ihren 
Wünschen und die hervorragenden Mitarbeiter“, sagt Balthasar III. 
heute. Gleichzeitig spürt er instinktiv, was zum Haus, zu Tirol passt. 
Gutes Essen gehört im Alpenraum eben immer dazu. Deshalb gibt es 
heute beim Stanglwirt deftige Wirtshauskost im Gasthof und feine, 
Die Stanglwirts-
Familie lebt die
echte Volksmusik.
Winterzauber
daheim beim
Stanglwirt.
Mit allen
Sinnen
genießen.
Die gute Küche
beim Stanglwirt
ist legendär.
Das Magazin zum Jubiläum