Seite 74 - Bio-Hotel Stanglwirt:

leichte Küche im Restaurant. „Man kann bei uns was essen, speisen 
und dinieren“, erklärt der Eigentümer die Philosophie dahinter. Auch 
damit hat er einen Kreislauf geschlossen: Die biologisch bewirtschafte-
te Landwirtschaft liefert die Zutaten, die Köche bereiten daraus köstli-
che Speisen. Gleichzeitig sorgen die weiten landwirtschaftlichen Flä-
chen für genau jenes Ambiente, das der Gast beim Stanglwirt sucht.
Apropos biologisch: Der Bau des Biohotels war wohl die Königsidee 
von Balthasar Hauser. Lange bevor Nachhaltigkeit überhaupt ein The-
ma war, sinnierte er ausgiebig darüber nach, wie er das Hotel passend 
zur Philosophie der Ursprünglichkeit weiterentwickeln könnte. Dann, 
eines Tages kam die Erleuchtung während des Radfahrens: Ein Bioho-
tel! Das Leben im Einklang mit der Natur, der Respekt vor den gewal-
tigen Kräften der Erde, die Liebe zu den Materialien, die man in der 
Landschaft findet – genau das war es, was Tirol groß gemacht hat. 
Jetzt sollte dieser Gedanke mit dem Tourismus vermählt werden. Ein 
gewagtes Vorhaben. Keiner der zugezogenen Experten hatte Erfah-
rung mit einem biologisch errichteten Bauwerk in der geplanten Grö-
ßenordnung. Die Kosten explodierten, die Berater zerstritten sich, am 
Ende fiel der Rohbau fast um und musste komplett saniert werden. 
Damals mithilfe von Karl-Hermann Schwabe, dem deutschen Archi-
tekten, dem die Hausers auch heute noch vertrauen. Auch bei der 
Beheizung des Hotels erwies sich Hauser als Pionier: Er errichtete 
Europas erste Biomasseheizung für ein Hotel. Der Grund: Holz und 
Holzabfälle waren genug vorhanden. Und heizen mit Holz gehört zu 
Tirol wie die Alpen und das Goldene Dachl in Innsbruck. „Holz ist 
Gemütlichkeit“, sagt Balthasar Hauser. „Wenn einer viel Holz vor sei-
nem Haus gestapelt hat, dann wusste man: Bei dem ist es auch im 
strengsten Winter schön warm.“ Deshalb säumen heute noch lange 
Wände mit Holzscheiten die Einfahrt zum Biohotel.
Das Maximum ist nicht das Optimum“
Konsequent baute Balthasar Hauser sein Hotel weiter. Immer darauf 
bedacht, alles wegzulassen, was nicht hierher gehört, „weil das Maxi-
mum nicht immer das Optimum ist“. Jede Annehmlichkeit, jedes 
Stückchen beim Stanglwirt ist authentisch, „hat einen Sinn“, wie der 
Eigentümer betont. Die Pferde, weil der „Stangl“ eine lange Tradition 
als Kutschenstation hat. Das Kaiserwasser, weil die hervorragende 
Qualität des Brunnens mit ein Grund war, an dieser Stelle ein Gast-
haus zu errichten. Sogar das Haifischbecken: Schließlich schwammen 
in Urzeiten Riffhaie genau dort, wo heute die Hänge sanft ansteigen, 
ehe der Wilde Kaiser jäh in die Höhe ragt. Heute noch achtet Baltha-
sar Hauser auf jedes noch so kleine Detail, entwirft Möbel, denkt über 
Aus- und Umbauten nach: „Ein Bauernhof ist auch nie fertig. Da wird 
ständig etwas gebaut, wieder abgerissen, umgestaltet.“ Und ein Bau-
ernhof sei er schließlich auch im Herzen geblieben, der Stanglwirt. 
Wenn auch ein sehr großer und komfortabler.
All diese Dinge, die vielen Geschichten, die Traditionen wie das Sän-
gertreffen und die liebevollen Details sorgen dafür, dass der Stanglwirt 
auch heute nicht nur bei Gästen aus aller Welt beliebt ist, sondern 
immer auch ein Treffpunkt für die Einheimischen blieb. „Wichtig ist, 
dass der Stanglwirt eine Seele hat. Sonst könnte hier auch ein leerer 
Platz sein. Oder eine Grube, wo man Sand hineinfüllt. Es geht um 
Authentizität, dass hier ein Platz ist, der Kultur hat.“ Balthasar Hauser 
hat diesen Platz geschaffen. 
»
Holz ist Gemütlichkeit. Wenn
einer viel Holz vor seinem Haus
gestapelt hat, dann wusste man:
Bei dem ist es auch im Winter
schön warm.«
Das berühmte
Aquarium mit den
beiden Schwarz-
spitzen-Riffhaien.
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Das Magazin zum Jubiläum
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