Seite 96 - Bio-Hotel Stanglwirt:

Klasse mit Rasse
Die Brüder Martin und Friedhelm Wiesmann verwirklichten ihren Jugendtraum.
Heute bauen sie in einer feinen Manufaktur rasante Sportwagen von zeitloser
Eleganz. Und jetzt sind diese beim Stanglwirt erfahrbar.
das Auto noch gar nicht gab. Die Begeisterung war so groß, dass man
bereitwillig fünf Jahre lang wartete, ehe man das neue Kultgefährt sein
Eigen nennen durfte. Auch der damalige BMW-Vorstand Wolfgang
Reitzle war vom Wiesmann-Prototypen begeistert. Er war so über-
zeugt vom Erfolg des neuen Sportwagens, dass sofort Lieferverträge
für Motoren unterzeichnet wurden. Eine erfolgreiche Kooperation, die
bis heute hält.
Andrej Medwedew zählte zu den ersten Kunden
Schrittweise und mit kluger Voraussicht bauten die Dülmener Brüder
ihr Liebhaberprojekt zu einer der renommiertesten Automanufakturen
der Welt aus. Geld wurde in Forschung und Entwicklung gesteckt, fürs
Marketing blieb nur Kreativität. Aber die war nicht ohne. Beim Tennis-
turnier „German Open“ in Hamburg parkte man den Wagen direkt
vor jenem Hotel, in dem die Stars nächtigten. Prompt bestaunten Pete
Sampras, Boris Becker und Andre Agassi die aufregende Konstruk-
tion. „Zufällig“ waren auch die Wiesmann-Brüder vor Ort und boten
Probefahrten an. Die Sportstars waren begeistert, Andrej Medwedew
unterschrieb gleich kurzerhand den Kaufvertrag.
Heute ist freilich alles anders. Mehr als 1.300 Wiesmann der Modell-
reihen MF3, MF4 und MF5 sind bereits in aller Welt unterwegs, die
Letzteren beiden gibt es als Roadster oder geschlossenen GT zu haben.
Allen gemeinsam ist, dass sie in reiner Handarbeit erzeugt werden.
Das dauert zwar 350 Stunden, ist aber dafür einfach rundum perfekt
und qualitativ nicht zu toppen. Das Leder sucht der Kunde ebenso in-
dividuell selbst aus wie die Wagenfarbe. Auch andere Extras werden
auf Kundenwunsch gerne realisiert. Eine eigene Sattlerei mit hochspe-
zialisierten Meistern sorgt beispielsweise in der Manufaktur für die
handwerklich perfekte Umsetzung lederner Kundenwünsche. Unter
der Motorhaube röhren weiterhin BMW-Aggregate, das Spitzenmodell
leistet 555 PS. Der GT MF5 ist damit in 3,9 Sekunden 100 km/h
schnell. Wer dann noch immer nicht vom Gas geht, findet sich bald
mit 311 km/h durch die Landschaft befördert.
Im Vorjahr kamen die erfolgreichen Autobauer Wiesmann gemeinsam
mit Maria Hauser auf die Idee, auch dem Stanglwirt so einen hübschen
Roadster vor die Tür zu stellen. Schließlich geht im Fünfstern-Biohotel
ebenfalls exklusive Kundschaft ein und aus. Und was schon einmal so
prächtig funktioniert hat, wird auch im Wiederholungsfall klappen.
Wer aber die Tiroler Bergluft vorerst nur probeweise im Cockpit eines
Roadsters erleben will, hat als Gast des Stanglwirts die einmalige Mög-
lichkeit, den wahrscheinlich schönsten Sportwagen der Welt einfach
für einen Ausflug zu mieten.
B
egeisterung für Automobile hat die beiden Brüder Wiesmann
aus dem westfälischen Dülmen schon immer ausgezeichnet.
Also wollten sie auch selbst einen richtig rassigen Sportwa-
gen besitzen. Auf der Essener Motorshow sollte im Jahr 1985 das
passende Gerät gefunden werden. Aber: Kein Modell mochte zu über-
zeugen. Durch den elterlichen Autohandelsbetrieb geprägt, legten die
Söhne selbst Hand an und gründeten kurzerhand ihre eigene Manu-
faktur. Vorerst nur als Hobby: Friedhelm Wiesmann verdiente als Ge-
schäftsführer in der eigenen Bekleidungsfabrik seine Brötchen, Bruder
Martin als Ingenieur und Pumpenbauer. 1988 hatten sie ihren Proto-
typen fertig. Ein Traum von einem Auto: zweisitzig, mit nostalgischen
Rundungen, Stoffverdeck, langer Motorhaube, kurzen Karosserieüber-
hängen und Kofferraum für das Nötigste – ein echter, puristischer
Roadster. Unter der Motorhaube sorgte ein Triebwerk von BMW für
mächtigen Schub. Prompt fanden sich erste Käufer – auch wenn es
© Wiesmann & Jörg Mitter
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Das Magazin zum Jubiläum
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